26.02.2010
Visionen fürs Baugewerbe
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Zufrieden mit der Entwicklung Ihrer Standesvertretung in den vergangenen Jahren?
„Wir bieten einen umfassenden, sehr kompetenten Service, der von den Mitgliedern stark genützt wird. Gut finde ich, dass mit vielen Doppelgleisigkeiten bei den Auskunftsstellen aufgeräumt wurde – das letztlich auch der Qualität der Auskunft gutgetan. Wir haben die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich die Position der von mir vertretenen Gruppe verbessert. Ich bin davon überzeugt, dass wir in puncto Lobbying noch einiges zu tun haben.“
Gibt es Interessenvertretungen, die Ihrer Meinung nach schlagkräftiger agieren?
„Ja, zum Beispiel die Industriellen-Vereinigung, deren politischer Stellenwert ist wesentlich höher als der Service. Natürlich muss man dabei auch die jeweilige Mitgliederstruktur berücksichtigen.“
Idealbild einer Standesvertretung?
„Die Schweiz – es gibt keine Pflichtmitgliedschaft und dennoch eine gewaltige Mitgliederzahl. Wir haben in Österreich die Standespolitik mit den Innungen und den wirtschaftlichen Arm mit den EinkaufsÂgemeinschaften. Wir haben es in Österreich nicht geschafft, die beiden Arme zu harmonisieren. In der Schweiz klappt das. In puncto Lobbyismus: Fünf Schweizer Nationalräte des Baumeisterverbandes sitzen auch im Parlament. Deren Einkaufsgemeinschaft ist zentral, über die nahezu alle Baumeister einkaufen. Die Lehrlingsausbildung wird auch von denen abgewickelt und gefördert.“
In puncto Lobbying haben Sie neue Ideen?
„Es gibt kein Patentrezept für Lobbying. Ich bin aber davon überzeugt, dass bei uns eine Verlagerung in Richtung Lobbyismus notwendig ist. Mit der Hebung unseres Images werden wir letztlich auch unsere Honorarsätze heben können. Im urbanen Bereich haben sich die Imagewerte der Baumeister sicher sehr verbessert. Ich finde keine negativen Meldungen in den Medien zum Baumeister – sehr wohl aber zu Bauunternehmen. Das heißt, wir müssen – losgelöst vom restlichen Baugeschehen – unsere Marke Baumeister stärken. Da liegen die Herausforderungen der kommenden Jahre.“
Ein aktueller Meilenstein?
„Mit Sicherheit das Normenpaket für unsere Mitglieder. Wir haben mit dem Normungsinstitut ein Paket geschnürt, das ermöglicht unseren Mitgliedern kostenlos 200 Normen pro Jahr – inklusive Aktualisierungen – zur Verfügung zu stellen. Bei dem Angebot kommen übrigens beide Bereiche zum Zug – Service und Lobbying. Ein weiterer Meilenstein ist die Rücklassversicherung – hilft jedem wirtschaftlich, die Konditionen würde ein einzelner Baumeister nicht erhalten.“
Welche Defizite sehen Sie?
„Defizite sehe ich darin, dass wir als Innung nicht in den gesetzgebenden Körperschaften vertreten sind. Unternehmer haben eine Scheu vor Parteipolitik. Es geht nicht darum, Plätze mit Marionetten zu besetzen, aber es wird notwendig sein, unsere Akzente frühzeitig zu setzen. Positive Beispiele ist die mehr oder minder beendete Diskussion um Rußpartikelfilter oder auch die Auftraggeberhaftung – Themen, bei denen es sinnvoll war, sich einzusetzen. Wenn die Bürokratie jedoch zu viel mitspricht, kommen meist Lösungen heraus, die ausschließlich der Bürokratie dienen.“
Wie läuft in Wien die wirtschaftspolitische Zusammenarbeit?
„Zwischen den baurelevanten Gruppen sehr gut – inklusive der Arbeitnehmervertretung, wir schaffen den Ausgleich in den Gremien. Auch die Wohnbauförderung ist bei uns ein sehr taugliches Instrument. Förderungen sind sinnvoll, wenn sie einen Mehrwert bringen. Doch dabei sind Anreizsysteme wichtig. Bezüglich thermischer Sanierungsprojekte gibt es in Wien sicher noch ein gewaltiges Potenzial.“
Wie sieht die Zukunft des Baugewerbes aus?
„Das Baugewerbe wird sich mehr in Richtung Logistik und Projektmanagement entwickeln, daneben wird ein Markt mit Zulieferern entstehen.“
Ist Wien KMU-freundlich?
„Das produzierende Gewerbe im Wohngebiet ist sicher problematisch. Die Kreativleistungen will man in der Innenstadt haben, das Gewerbe soll an den Rand. Bauunternehmen ist das egal, aber für kleine Zulieferer ist das negativ.“
Freund oder Feind des Föderalismus?
„Eine föderale Verwaltung bedingt auch eine föderale Standesvertretung – wenn man sich auf derselben Interessenebene trifft. Das Problem des Föderalismus wird überschätzt – dennoch wird es Veränderungen geben.“
Red.: Gisela Gary

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