Baumeister Franz Kieninger ist der Grandseigneur der Bauwirtschaft im Salzkammergut. Er selbst bezeichnet sich als auslaufender Geschäftsführer, da die Nachfolge im Familienbetrieb bereits geregelt ist.
Franz Kieninger ist Geschäftsführer der Bauunternehmung Kieninger Ges.m.b.H. und führt das Familienunternehmen mittlerweile seit gut 40 Jahren. In der Branche, und vor allem im Salzkammergut, ist er eine nicht wegzudenkende Größe seiner Zunft. Er hat aus einem kleinen Baubetrieb einen Konzern – auch wenn er das nach eigenen Angaben nicht gern hört – geschaffen, der stetig wächst und expandiert. Kieninger ist durch und durch Geschäftsmann. Sogar im Hotel Goiserer Mühle, das ihm gehört, allerdings verpachtet ist, achtet er auf Qualität und Ordnung. Auch vom Personal wird der Grandseigneur der Bauwirtschaft im Salzkammergut entsprechend begrüßt und respektiert. 2012 feiert das Unternehmen Jubiläum: 150 Jahre Kieninger soll mit einem großen Fest begangen werden. Das ist auch der Zeitpunkt, wo Franz Kieninger sich aus dem Geschäft zurückziehen will. „Seit Jahrzehnten führe ich das Unternehmen. Wenn auch nicht alleine, so doch sehr intensiv. Ich war es immer gewohnt, von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends im Büro zu sein. Irgendwann muss damit Schluss sein. Ich versuche seit geraumer Zeit, mich zurückzuziehen. Das meiste habe ich bereits abgegeben. Der letzte endgültige Schritt soll aber in zwei Jahren erfolgen“, berichtet der Seniorchef.
Familienunternehmen sichern
Große Hoffnungen, das Familienunternehmen fortzuführen, setzte der Unternehmer schon früh in seinen Nachwuchs. Der älteste Sohn, Martin Kieninger, hätte nach den Plänen des Vaters die Firma übernehmen sollen. „Die Weichen waren schon gestellt. Martin hat die HTL besucht, die Baumeisterprüfung abgelegt und im Anschluss an der TU Graz Bauingenieurwesen studiert. Aber wie das Leben so spielt, hat er mir eines Tages eröffnet, dass er andere Pläne hat“, erzählt Kieninger wehmütig. Der Liebe wegen wanderte der älteste Sohn nach Spanien aus und arbeitet dort erfolgreich in der Bauwirtschaft. Auch der zweite Sohn, Stefan Kieninger, konnte sich nicht für das Bauunternehmen begeistern. „Stefan ist leidenschaftlicher Kletterer und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Mittlerweile hat er an mehreren Standorten Trainingshallen errichtet und veranstaltet Schulungen und Kurse, vor allem zum Thema Sicherheit“, erklärt Kieninger. So blieb noch die Möglichkeit, die beiden Töchter für das Baugewerbe und den familieneigenen Betrieb zu begeistern. „Sabine beschloss, nach der Matura Psychologie zu studieren. Mittlerweile ist sie eine erfolgreiche Psychotherapeutin. Ebenso wie ihr Mann. Barbara hat Medizin studiert und ist nun praktizierende Ärztin“, erklärt Kieninger. Doch wie es der Zufall will, hat Barbara Kieninger bei der Partnerwahl ins Schwarze getroffen.
Josef Öhlinger ist im Baugewerbe beheimatet und hat zudem Architektur studiert. Somit ist die Nachfolge vorerst gesichert: „Vor einigen Jahren habe ich die Firma offiziell gegen Fruchtgenuss an Barbara und Josef Öhlinger übergeben. Josef ist der erste der drei Geschäftsführer. Er führt seit vielen Jahren die gesamte Firma an vorderster Front und ist der Motor der Erfolgsleiter der Firma Kieninger“, erklärt der Schwiegervater. „Mittlerweile haben wir auch bereits zehn Enkelkinder, drei davon studieren Architektur, somit besteht die Hoffnung, dass das Unternehmen auch künftig in der Familie bleibt, weiter“, so Kieninger zuversichtlich.


Erfolgsrezept: Mit Qualität und Ordnungsliebe führte der Baumeister das Unternehmen zum Erfolg.
© Foto Hofer, Bad Ischl
Dass der Nachwuchs im Hause Kieninger nicht nur familiär eine wichtige Rolle spielt, beweist das Unternehmen durch seine zahlreichen Lehrlinge. 2009 wurde der Betrieb von der Landesinnung Bau Oberösterreich für seinen Einsatz für den Baunachwuchs ausgezeichnet. Kieninger liegt in Oberösterreich an der Spitze aller Ausbildungsbetriebe bei den Berufen Maurer, Tiefbauer und Schalungsbauer und Zimmerer und bietet derzeit 40 Jugendlichen eine Lehrstelle in den bautechnischen Berufen. Vor allem das Gespür für die Arbeit ist dem Baumeister wichtig. „Beide Komponenten, sowohl die Theorie als auch die Praxis, müssen stimmen. Vor allem, wenn man es wirklich zu etwas bringen will, muss man auch das richtige Gespür für die Arbeit haben“, ist Kieninger überzeugt.
Ein besonderes Auswahlverfahren, um im Bauunternehmen Kieninger eine Lehre machen zu können, ist nicht notwendig. Allerdings ist den Geschäftsführern auch in diesem Bereich die Qualität wichtig. „Natürlich schauen wir uns das Zeugnis ganz genau an. Talent für die praktische Arbeit alleine reicht eben nicht, um seine Arbeit wirklich gut zu machen“, ist der erfahrene Chef überzeugt.
Erfolg durch Erfahrung
Noch jemand ist wesentlich an der Erfolgsspirale beteiligt. Franz Kieninger betont, wie wichtig der dritte Geschäftsführer, Paul Altmann, für das Unternehmen war und ist. „Ohne Altmann wären wir heute vermutlich nicht da, wo wir sind. Durch eine glückliche Fügung des Schicksals trat Paul Altmann ins Unternehmen ein und ist ein fester Bestandteil des gesamten Betriebserfolges“, so Kieninger über seinen langjährigen Partner. „Er ist ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Firmenentwicklung, und ich kann mir nicht vorstellen, wie das sein wird, wenn er in zwei oder drei Jahren auch in Pension geht.“
Obwohl Franz Kieninger immer noch wehmütig davon spricht, dass sein ältester Sohn Martin nach Spanien ausgewandert ist, erzählt er auch, dass es ihn selbst nach der HTL auch in die Ferne zog. Fünf Jahre lang lebte Franz Kieninger in Stuttgart und arbeitete als Bauleiter. „Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt und hatte auch vor zu bleiben. Allerdings erlitt mein Vater einen schweren Unfall und ich musste zurück nach Goisern und die Geschäfte übernehmen. Das war keine leichte Zeit, aber es war genug Idealismus da, und ich habe versucht, das Beste daraus zu machen. Als es meinem Vater schließlich wieder besser ging und wir kurzzeitig gemeinsam im Betrieb arbeiteten, stellten wir fest, dass wir nicht produktiv miteinander arbeiten können. Also habe ich mich zurückgezogen und in Ried zu arbeiten begonnen“, erzählt Kieninger. „So habe ich in Ried mein Leben aufgebaut. Ich arbeitete bei der ISG, Innviertler Siedlungsgenossenschaft, und meine Frau und ich lebten samt den Kindern in Ried.“
Dennoch zog es Baumeister Kieninger zurück in den Familienbetrieb. Als sein Vater sich endgültig aus dem Geschäft zurückzog, übernahm er die Firma, und nach vielen Jahren in Ried hat er sich anschließend wieder in Bad Goisern niedergelassen. All diese Erfahrungen halfen dem Goiserer, aus dem kleinen Betrieb einen großen Konzern mit Bauunternehmen, Zimmerei und Baumarkt zu machen. Dabei legt der Firmenchef wenig Wert auf Werbung und Marketing. „Die Qualität muss stimmen, und man muss sich innerhalb der Branche einen Namen machen. Nur wenn die Arbeit stimmt, kann man langfristig erfolgreich sein“, so Kieninger. Damit einhergehend kommt auch das nötige Selbstbewusstsein. „Wichtig für den Erfolg ist auch, dass man gut ist und das auch weiß. So kann man seine Qualitäten auch richtig kommunizieren“, ist der Unternehmer überzeugt. Um wirklich gut zu sein, muss ein gewisses Maß an Idealismus und Unternehmergeist dahinterstecken. Zwei Eigenschaften, die bereits der junge Franz Kieninger in seine Arbeit einbrachte. So erklärt Kieninger den großen Erfolg des Unternehmens hauptsächlich mit Engagement: „Es steckt viel Arbeit dahinter. Im Nachhinein betrachtet, habe ich sehr viel Zeit mit dem Führen des Betriebes verbracht. Ich hatte zugegebenermaßen wenig Zeit für meine Familie, da ein Zwölf-Stunden-Tag für mich zum Alltag gehörte. Ebenso wie Paul Altmann, den ich auch als ‚Workaholic‘ bezeichnen würde, habe ich die meiste Zeit des Tages im Büro verbracht. Es hat halt alles seinen Preis“, erzählt er schmunzelnd. Trotzdem er überzeugt davon ist, dass er sich mehr und mehr zur Ruhe setzen will, arbeitet der Baumeister nach wie vor engagiert und mit ganzer Kraft. Die operativen Geschäfte führen in letzten Jahren Josef Öhlinger und Paul Altmann.

© Foto Hofer, Bad Ischl
Auslaufender Geschäftsführer
Einen weiteren Schritt weg vom Unternehmen tätigte Franz Kieninger, der sich selbst als auslaufender Geschäftsführer bezeichnet, vor zwei Jahren, als er mit seiner Frau aus Bad Goisern wegzog und sich in Gmunden niederließ. Um die entsprechende Lebensqualität zu sichern, wurde in Gmunden ein neues Zuhause geschaffen, in dem sich beide sehr wohl fühlen, wie Franz Kieninger überzeugend erzählt. Obwohl das eigentlich keine Garantie dafür ist, dass er weniger arbeitet. „Als wir noch in Ried gewohnt haben, habe ich alles von dort aus gemanagt. Zwei Tage in der Woche war ich vor Ort in Bad Goisern, trotzdem habe ich alles, was wir in der Zeit gebaut haben, organisiert“, erzählt Franz Kieninger von den Anfängen. Aber er ist zuversichtlich, dass er langsam, aber sicher mehr Distanz zu seiner Arbeit hat. „Ich bin im Laufe der Zeit klüger und weiser geworden – ich disponiere nicht mehr“, verrät er lächelnd.
Dem Unternehmen geht es nach wie vor gut. Momentan bearbeitet die Kieninger Ges.m.b.H. die größte Holzbaustelle in Oberösterreich. In Altmünster wird ein agrarisches Schulzentrum errichtet, berichtet Kieninger nicht ohne Stolz. Der Erfolg des Betriebes lässt sich auch in Zahlen belegen. Zwischen 83 und 84 Millionen Euro Konzernumsatz in den letzten Jahren sprechen eine eindeutige Sprache. Dennoch hat der Unternehmer Bedenken, ob sich dieser Umsatz in den nächsten Jahren halten wird. „Die Umstände erlauben keine genaue Prognose, es kann auch wieder besser werden, aber im Moment sieht es für das Baugewerbe nicht gut aus. Speziell im Salzkammergut ist es zurzeit nicht gerade einfach“, so Kieninger, der aber im gleichen Atemzug zugibt: „Ich bin in diesen Dingen vielleicht auch etwas pessimistisch.“
(Redaktion: Diana Danbauer, Die Bauzeitung)
