Wir wollten wissen, wie es wirklich läuft – bei Bauunternehmen mit Migrationshintergrund. Ein Besuch bei Unternehmer Mustafa Atak beweist, dass Kompetenz und Qualität die besten Waffen gegen Vorurteile sind.
7.30 Uhr, Großbaustelle Wien, Innenstadt. Mustafa Atak, Geschäftsführer der Mus-Ti Bau GmbH, Bauunternehmer, stammt aus der Türkei. Atak hat seinen Betrieb vor sechs Jahren gegründet und konnte sich als kleines Unternehmen, spezialisiert auf Sanierungen, in Österreich behaupten. Einen Tag lang durften wir Atak zusammen mit dem Redaktionsteam des zweisprachigen Wirtschaftsmagazins „Esnaf“ auf einer seiner aktuellen Baustellen in Wien begleiten.
Dass er von der Branche ernst genommen wird, zeigt auch die Kooperation auf seiner aktuellen Baustelle: „Wir arbeiten seit langem mit der Porr zusammen – funktioniert hervorragend.“ Die Baubranche ist traditionell ein Wirtschaftszweig, der häufig Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigt.
Mus-Ti Bau ist ein Baumeisterunternehmen, das hauptsächlich in Wien agiert und Hoch- und Tiefbau, Generalsanierungen, Trockenbau, Abbruch und Fassadengestaltung anbietet. Spezialisiert und etabliert hat sich das Unternehmen mittlerweile vor allem im Umbau von Schulen. „Schulumbauten sind ein ganz eigener Bereich. Vor allem lernt man bei Umbauten jedesmal etwas dazu und sammelt viele Erfahrungen“, erzählt Atak. Aber auch andere Projekte liegen dem Unternehmen mit ethnischem Hintergrund.
Kompetenz und Erfahrung
Am Schottenring, im ersten Wiener Gemeindebezirk, wird zurzeit ein ehemaliges Magistratsgebäude zu einem Luxushotel umgebaut. Das rund 70-Millionen-Euro-Projekt wird vom Bauriesen Porr errichtet. Subunternehmer für die Abbrucharbeiten ist die Mus-Ti Bau GmbH, die damit beauftragt ist, die Sanierung bzw. den Umbau zu realisieren. Konkret bedeutet das bei diesem Projekt, für das voraussichtlich zwei Jahre Bauzeit vorgesehen sind, rund 70 Prozent des bestehenden Gebäudes abzutragen. „Im Prinzip bleiben hauptsächlich die Fassaden erhalten. Aufgrund der Erdbebensicherung ist es notwendig, das Bestandsgebäude großteils abzutragen“, berichtet Mustafa Atak. Damit verbunden sind Schwierigkeiten wie etwa die Gesamtabbrüche mitten in der Innenstadt sowie die Sicherheit, nicht zuletzt aus statischer Sicht. „Für eine derartige Baustelle ist es notwendig, ausreichend Erfahrung mitzubringen, geschultes Personal vor Ort zu haben und natürlich, dass ein ordentliches Konzept dahintersteckt“, erklärt Atak seine Herangehensweise an ein derartiges Großprojekt.
Nur mit Sicherheitsfachkraft
Vor allem die Sicherheit wird bei Ataks Projekten großgeschrieben. „Wir haben eine Sicherheitsfachkraft, die auf der Baustelle ist, um das Risiko so weit wie möglich zu minimieren“, so der Geschäftsführer. Die Zusammenarbeit mit der Porr ist für Mustafa Atak nicht neu: „Seit vielen Jahren haben wir mit der Firma Porr immer wieder konstruktiv zusammengearbeitet“, berichtet Atak. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand: „Es ist natürlich hilfreich, wenn man die Leute kennt und mit der Arbeitsweise vertraut ist. Zudem ist es immer wichtig, einen zuverlässigen Partner zu haben. Das klappt mit der Porr mittlerweile seit Jahren hervorragend“, lobt Atak.

Kompetenz und Erfahrung: Mustafa Atak (2. v. r.) und sein Team sind ambitioniert und erfolgreich in der Baubranche.
Vor allen Dingen muss aber die Zusammenarbeit innerhalb der eigenen Firma produktiv sein, um in der Baubranche bestehen zu können. Im Unternehmen Mus-Ti Bau arbeiten zahlreiche Mitarbeiter, die aus vielen verschiedenen Ländern kommen, berichtet der Firmenchef: „Wir arbeiten mit Österreichern, Türken, Bosniern, Polen, Griechen, Afghanen, Portugiesen, Afrikanern; die Herkunft spielt für uns keine Rolle, die Qualität muss stimmen. Es ist nicht immer einfach, gute Leute zu bekommen“, weiß der Fachmann aus der Praxis zu erzählen, der selbst in Österreich eine Maurerlehre abgeschlossen hat und im Anschluss seinen Werkmeister machte. „Ich arbeite am liebsten mit meinen eigenen Leuten, mit Leiharbeitern ist es ungleich schwieriger, vor allem in den Sommermonaten, wenn es knapp wird, kann das tatsächlich zu einem Problem werden“, berichtet Atak.
Qualität hat ihren Preis
Die Baumeisterprüfung will Mustafa Atak demnächst machen, unternehmerisch hat er noch viel vor. „Im Bereich der Dämmstoffe gibt es viel Innovationspotenzial. Ich arbeite seit Jahren mit einem Dämmstoffspezialisten in der Slowakei zusammen, und es gibt bereits gemeinsame Expansionspläne in die Türkei“, verrät der ehrgeizige Unternehmer. Dennoch gilt bei jedem seiner Projekte der Grundsatz: Qualität hat ihren Preis. Vor allem plädiert der erfahrene Bauunternehmer dafür, sich bereits bei den Vorbereitungen und der Detailplanung genügend Zeit zu lassen, um Leerläufe zu vermeiden, die in jedem Fall viel Geld kosten.
Fairness und Qualität sind die beiden Standbeine seines Erfolges, erklärt er: „Nur mit Qualität, korrektem und fairem Verhalten kann man sich einen guten Ruf erarbeiten. Den Erfolg muss man sich verdienen. Dazu sind vor allem Verlässlichkeit und ein gutes Team notwendig.“
Diana Danbauer
Das zweisprachige Wirtschaftsmagazin „Esnaf" für Unternehmen mit ethnischem Ursprung widmet sich Unternehmen mit Migrationshintergrund. Sowohl die mediale Berichterstattung als auch die unmittelbare Hilfestellung mittels Tipps und Informationen stehen dabei im Vordergrund.
Dieser Artikel wird in der nächsten Ausgabe von „Esnaf" auch in türkischer Sprache veröffentlicht.
Details und Informationen unter www.esnaf.at