Nachhaltigkeit am Infopodest
Eine Fachveranstaltung behandelt im April das Thema nachhaltiges Bauen. Clemens Demacsek, Organisator und Geschäftsführer der Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum, im Interview über Event und Thema.
Unter dem Titel „Schritte in die Zukunft" veranstalten Sie eine Fachveranstaltung zum brennenden Thema Nachhaltigkeit. Was darf sich die planende und ausführende Baubranche von diesem Event erwarten?
Es ist bereits die dritte Veranstaltung dieser Art, die wir als Kooperation von vier Verbänden veranstalten. Im Bereich Nachhaltigkeit herrscht noch großer Informationsbedarf. Von Interesse ist dieser Event vor allem für Entwickler, Verwalter und Verwerter von Immobilien, Wohnbauträger, Planer, Energieberater und Behördenvertreter. Wir wollten nicht nur einen Aspekt herausfassen, sondern haben eine fachkundige Riege an Vortragenden verpflichten können, die einen kompletten, aktuellen Überblick in Sachen Nachhaltigkeit geben.
Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit in Österreich aus?
Vor etlichen Jahren war Energieeffizienz nur ein Thema für Spezialisten. Sukzessive ist dann das Interesse der breiten Masse gestiegen. So etwa haben wir den Energieausweis schon lange gefordert, vor einem Jahr ist mit dem kompletten Inkrafttreten hier der Durchbruch gelungen. Bei der Nachhaltigkeit im Baubereich stehen wir auch wieder erst am Anfang. Unter dem Begriff können sich nur die wenigsten etwas Konkretes vorstellen. Ausgegangen ist das Thema Nachhaltigkeit vom Förderwesen. Dort wird wie beim Heizwärmebedarf ein Ökoindikator für die Gebäudehülle errechnet. Dahinter steht die Idee, dass so unterschiedliche Materialien sinnvoll miteinander kombiniert werden können. Mittlerweile gibt es zwar Normen für die Berechnung einzelner Ökokennzahlen, aber noch keine ökologische Produktdeklaration.
Apropos Ökokennzahlen: Wie ist da der Stand und wie reagiert der Markt?
Die zurzeit vorliegenden Daten für Primärenergieinhalt, Treibhaus- und Versauerungspotenzial sind nur schwer vergleichbar, weil sie mit unterschiedlichen Berechnungsmethoden ermittelt wurden. Und auch etliche Kriterien fehlen noch, etwa der Transport zur Baustelle. Manche Bauprodukte kommen über große Entfernungen nach Österreich. Das unter den Tisch fallen zu lassen wäre eine Scheingenauigkeit. Die Hersteller haben bereits reagiert und kümmern sich um die Aktualisierung der Daten. Es kann nur im Sinne des Marktes sein, dass ein fairer ökologischer Wettbewerb herrscht. Aber bis dahin werden leider noch Äpfel mit Birnen verglichen.
Ein Programmpunkt der Veranstaltung ist „Environment Product Declaration". Was ist das konkret?
Die neue Umwelt-Produktdeklaration EPD ist als neuer Benchmark zu verstehen. Sie bietet acht verschiedene Ökokennzahlen und geht damit noch weiter als der Ökoindikator OI3. Berücksichtigt werden - von der Wiege bis zur Bahre - Produktion, Verarbeitung, Transport und sogar die Entsorgung. Das wird nach standardisierten Verfahren bestimmt und stellt einen deutlichen Fortschritt dar.
Wie sieht es mit Styropor in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz aus?
Unter dem Gesichtpunkt EPD ist Styropor ein tolles Produkt. Es geistern viele Geschichten herum, etwa dass bei der Herstellung ein hoher Energieaufwand nötig ist. Ein gängiger Fehler dabei ist, die ökologischen Kennzahlen je Kilogramm Rohstoff zu vergleichen. Vielmehr muss das Endprodukt gegenübergestellt werden: Styropor besteht zu 98 Prozent aus Luft und zu zwei Prozent aus Polystyrol. Daher ist ein reiner Kilovergleich irreführend. Bei der Entsorgung schaut es ähnlich aus: Wird aus einem Liter Öl Dämmstoff produziert, spart dies das Hundertfache seines Energiegehaltes an Heizöl ein, und am Ende wird das Material thermisch verwertet. Das ist eine sehr nachhaltige Nutzung. Im Gegensatz dazu ist das direkte Verbrennen von Öl nicht so intelligent, weil der Mehrwert fehlt. Außerdem gibt es alternative Verwertungen: Bei EPS-Dämmschüttungen wird nur recyceltes Polystyrol verwendet. Es ist leider so: Wenn einmal etwas gesagt wurde, gibt es viele, die das abschreiben. Auch wenn das nicht stimmt.
Helmut Melzer

Mittwoch, 21. April, 14 bis 18 Uhr
Wirtschaftskammer Österreich, Rudolf-Sallinger-Saal, Wiedner Hauptstr. 63,
A-1040 Wien
Programm und Anmeldung unter:
gph@gph.at
Vortragende (Auswahl)
- WK-Präsident Christoph Leitl: Nachhaltiges Wirtschaftswachstum ist das beste Beschäftigungsprogramm.
- Friedrich Schneider, Uni Linz: Mit dem
Handwerkerbonus gegen den Pfusch am Bau.
- Susanne Geissler, Österreichische Energieagentur: Österreich umbauen – Sanierungsoffensive zur CO2- und Energieeinsparung.
- Hartmund Schönell, IVH Heidelberg: Environmental Product Declaration (EPD) – Das Neueste zum ökologischen Fußabdruck von Dämmstoffen.