Wenig Freude kommt angesichts der Jahresbilanz 2009 beim Fachverband Steine-Keramik der Wirtschaftskammer auf: Mit einem Gesamtumsatz von 3,2 Milliarden Euro müssen Obmann Manfred Asamer und seine Stellvertreter Bernd Wolschner und Robert Schmid einen Einbruch von knapp elf Prozent hinnehmen.
Und der Weg durch die Wirtschaftskrise gestaltet sich weiterhin steinig. Für heuer steht ein neuerlicher Rückgang von rund sieben Prozent bevor. „Die großen Bauherren wie Asfinag und ÖBB haben ihre Ausgaben drastisch reduziert", sieht Branchenchef Asamer noch lange kein Licht am Ende des Tunnels. Und auch die Zahl der Beschäftigten ist mit 7,4 Prozent weniger Mitarbeitern rückläufig.
Als Hauptübel und zugleich naheliegender Weg aus der Misere gilt der Wohnungsneubau. Asamer: „Der liegt mehr oder weniger im Argen. Als Branche sind wir aufgefordert, Wege aufzuzeigen." Jährlich sei ein Bedarf von mehr als 50.000 neuen Wohnungen in Österreich gegeben, demgegenüber sanken allerdings die Baubewilligungen 2009 um zehn Prozent auf knapp 36.600 (wie in bauzeitung, Ausgabe 1/2010, berichtet). „Wohnen ist ein Grundbedürfnis und darf nicht zu unleistbarem Luxus werden, es ist ureigenste Aufgabe eines Staates, hier gegenzusteuern", gibt Asamer die Devise in Richtung Politik aus. Und, es sei beides möglich: eine Stimulierung der Wirtschaft bei gleichzeitiger Konsolidierung des defizitären Staatshaushaltes.
Förderung bringt Steuern
Die versammelte Mannschaft des Fachverbandes rechnet vor: 100 Millionen Euro an staatlicher Förderung lösen ein Bauvolumen von mindestens 850 Millionen Euro aus. Sie bringen dem Staat Rückflüsse von rund 400 Millionen Euro an Steuergeldern und Abgaben. Alleine die Förderaktion für die thermische Sanierung hat im Jahr 2009 mit einem Fördervolumen von 61 Millionen Euro Investitionen von 485 Millionen Euro im privaten Wohnbau ausgelöst. Der Finanzminister durfte sich angesichts von Steuerrückflüssen in Höhe von 240 Millionen Euro die Hände reiben.
„Wir wollen, dass die Aktion weitergeführt wird. Allein, es fehlt am Geld. Wichtig ist zudem, dass die Zweckgebundenheit bei den Wohnbaufördergeldern wieder eingeführt wird", fordert Schmid. Neben der Neuauflage der erfolgreichen Förderaktion sollen auch umfassende Förderungen für den Wohnungsneubau her. Asamer: „Solche Initiativen sind der perfekte Beitrag zur Budgetsanierung. Jeder Unternehmer, der für einen investierten Euro noch im gleichen Jahr vier Euro zurückbekommt, wird sich ein solches Geschäft kaum entgehen lassen."
Und wird schließlich gebaut, dann bitte in Massivbauweise. Bernd Wolschner bringt die Energiestrategie Österreichs ins Spiel: „Nur mit Massivbauweise ist es etwa möglich, Erdwärme durch Bauteilaktivierung wirklich zu nutzen. Die hohe Speichermasse von mineralischen Baustoffen bietet sowohl Schutz vor sommerlicher Hitze als auch eine bessere Wärmespeicherung im Winter. Über den perfekten Brandschutz muss eigentlich kein Wort mehr erwähnt werden."
Weiterer Beschäftigungsabbau droht
Breite Fördermaßnahmen hätten schlussendlich auch positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Mit 100 Millionen Euro staatlicher Förderung würden, so die einhellige Meinung im Fachverband, zusätzliche 7.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Kommt keine öffentliche Hilfe, zeigt sich für heuer in der Baustoffindustrie ein gegenteiliges Bild: Auch für 2010 wird ein weiterer Beschäftigungsabbau erwartet.
Helmut Melzer
Bilanz 2009
Umsatz: 3,20 Milliarden Euro (–10,98 Prozent)
Davon: Bauzulieferer 2,65 Mrd. (–9,56 Prozent)
Beschäftigte: 14.201 (–7,41 Prozent)
Prognose 2010:
Steine-Keramik gesamt: –7 Prozent
Zement: –10 bis –15 Prozent
Betonteile: –10 Prozent
Kies, Transportbeton: –7 Prozent
Putze, Mörtel: –5 Prozent