Der Praxistest beweist es: Trockenbauschrauber mit Magazinaufsatz sind doppelt so schnell wie herkömmliche Geräte. Auf einer Großbaustelle standen vier Akku-Produkte auf dem Prüfstand.
Der Trockenbau hat etwas Monotones an sich: Den größten Teil der Arbeit verbringen die Spezialisten mit dem Schrauben. Damit kommt der Wahl des richtigen Gerätes eine wesentliche Bedeutung zu. Eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Schraubern stellen dabei Akku-Trockenbauschrauber mit Magazin dar. Diese Profiwerkzeuge kommen nicht nur ohne Kabel aus, sie ermöglichen durch gurtmagazinierte Schraubenketten vor allem die extrem schnelle Verschraubung – wie auf dem Fließband. Rasend schnell, und sie sehen obendrein aus wie Maschinengewehre.
Für unseren Test auf der aktuellen Strabag-Baustelle Geriatriezentrum Meidling in Wien stehen uns zwei erfahrene Trockenbauer der Firma Uniprojekt zur Seite. Ideal für eine objektive Bewertung der Geräte Hilti, Makita, Protool und Spit: Josef Cividino und Mario Bauer haben noch keine Erfahrung mit den am Bau noch wenig verbreiteten Magazinschraubern. „Ich bin seit 27 Jahren Trockenbauer – und habe noch nie jemanden gesehen, der durchgehend mit einem Magazin gearbeitet hat“, berichtet der skeptische Cividino. Aber, so viel darf der nachfolgenden Testbeschreibung vorweggenommen werden, er wird sich noch verlieben, der Trockenbauer.
Wie funktionieren denn diese Magazin-Trockenbauschrauber überhaupt? Zuerst wird am Magazinaufsatz die jeweilige Länge der Schraube eingestellt, dann wird dieser mit auf einem Kunststoffband magazinierten Schrauben „befüttert“. Nach einer kurzen Probe kann die gewünschte Tiefe des Schraubenkopfes noch feinjustiert werden. Schließlich wird beim durchgängigen Schrauben mit Druck der Gerätespitze auf die gewünschte Stelle das Schraubenband automatisch weitergeschoben und die nächste Schraube platziert. Alle Einstellungen gehen werkzeuglos vonstatten.
In der Kombination mit Akku und Magazin kommen bei den vorliegenden Geräten gleich mehrere technische Kriterien ins Spiel. Einerseits müssen sie immer mit den naturgemäß stärkeren Brüdern mit Netzanschluss in Sachen Leistung konkurrieren, andererseits ist selbstverständlich auch die Zuverlässigkeit der Batterie wichtig. Die Frage, die sich zudem stellt: Wie einfach und funktionell sind sie tatsächlich, die vielversprechenden Magazinaufsätze?


Kriterium Benutzerfreundlichkeit: Lassen sich die magazinierten Schrauben einfach anstecken?
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Akku und Magazin
Entscheidend für die technische Leistung der Maschinen sind die Leerlaufgeschwindigkeit, in Umdrehungen pro Minute angegeben, und das maximale Drehmoment in Newtonmeter. Je mehr, desto stärker ist das Gerät bei der Arbeit. Für die Leistung der Akkuzellen gilt als aussagekräftigster Vergleichswert der sogenannte Energiegehalt. Der ergibt sich durch Multiplikation aus Spannung (Arbeitsvermögen der Ladung) und Kapazität (Ladungsmenge, die gespeichert werden kann). Grundsätzlich sind Lithium-Akkumulatoren zu bevorzugen, da diese keinen sogenannten Memoryeffekt aufweisen. Sprich: Der Kapazitätsverlust durch häufige Ladung bei nicht vollständig entladenem Akku ist hier nicht mehr gegeben. Das verlängert die Lebensdauer der Batterien enorm. Lithium-Akkus weisen zudem eine weit geringere Selbstentladung auf und geben – ganz im Sinne von Energieeffizienz – nahezu 100 Prozent des geladenen Stroms ab.
In Sachen Magazin zeigen sich bei der alltäglichen Arbeit eigene Faktoren als entscheidend: Um ohne viel Zeitverlust bei nicht richtig versetzten Schrauben nachbessern zu können, ist ein Abnehmen des Magazinaufsatzes ohne viel Aufwand klar von Vorteil. Und auch die Befütterung mit magazinierten Schrauben sollte unkompliziert vonstatten gehen. Ebenso hilfreich: das einfache Justieren der Tiefeneinstellung.
Geräte für Profis
Im Praxistest mit den Trockenbauern Josef Cividino und Mario Bauer spiegeln sich Geschwindigkeit und Leistung ebenso wie Benutzerfreundlichkeit und Handling wider. In zwei Durchgängen mussten möglichst schnell, aber korrekt je neun Schrauben durch eine einfache Gipskartonwand und 0,6 Zentimeter Blech gejagt werden. Auf dem Prüfstand stehen Hiltis SD 5000-A22, der BFR750RFE von Makita sowie Protools DuraDrive DWC 12-4000 DEC und der Spit 216HDI. Nach jedem Durchgang wurden die Geräte selbst sowie deren Handhabung besprochen. „Grundsätzlich eine tolle Sache“, bewertet Cividino die Akkugeräte, „vor allem gegen Ende der Ausbauarbeiten sinnvoll, wenn es Probleme mit Kabeln gibt.“ Und auch der Magazinaufsatz bringt’s: „Man braucht etwas Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat. Aber dann kennt man sich aus.“ Und Bauer pflichtet seinem Kollegen bei: „Die Geräte sind auf jeden Fall für den Profibereich geeignet. Die Länge ist eventuell von Nachteil – oft hat man nicht viel Platz.“
An der Testwand gibt es keinerlei Probleme: Im Eilestempo bohren sich die Schrauben durch den Gipskarton. In beiden Durchgängen liegt Hilti klar voran. Mit einer durchschnittlichen Zeit von 10,1 Sekunden für neun Schrauben punktet der Trockenbauschrauber SD 5000-A22 relativ klar vor der Konkurrenz. „Das Hilti-Gerät wirkt auch am stärksten“, bestätigt Cividino den deutlichen Vorsprung in Sachen Laufgeschwindigkeit und Drehmoment. Mit 5.000 Umdrehungen ist die Hilti-Maschine mit der Leistung von Netzgeräten vergleichbar. Jetzt werden die Trockenbauer keck, behaupten gar, sie könnten eine ähnliche Zeit mit einer herkömmlichen, netzabhängigen Maschine ohne Magazin auch erreichen. Das wollen wir natürlich sehen. Fazit: 20,6 Sekunden benötigt Cividino. Abseits des Sicherheitsaspektes – schließlich sind bei gängigen Schraubern auch die Finger mit ihm Spiel – ist damit auch der Vorsprung der Magazinaufsätze klar bestätigt.
Dabei zeigt sich auch ein weiterer Aspekt: Die Trockenbauer sind es gewohnt, die Maschinen mit einer Hand zu halten, während die andere die Schraube ansetzt. Das machen sie dann natürlich auch bei den doch größeren und schwereren Magazinschraubern. Sind diese nicht optimal ausbalanciert, wird es mühsam.


Kriterium Leistung: Die Akku-Geräte können sich in Sachen Leistung durchaus mit ihren netzabÂhängigen Konkurrenten messen. In zehn Sekunden verschwinden neun Schrauben in der Wand.
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Entscheidender Faktor Handling
Grundsätzlich erweisen sich alle Testkandidaten als absolut praxistauglich. Die Geister scheiden sich jedoch punkto Benutzerfreundlichkeit und Handhabung. Zwar machen etwa die Einstellung der Schraubenlänge und die Tiefeneinstellung generell keine Probleme, bei einigen geht’s aber eben einfacher als bei anderen. Bei Spit etwa sind leider überhaupt nur vier Einstellungen zur Justierung der Schraubkopftiefe möglich, was hierbei die Möglichkeiten merkbar einschränkt. Da stehen schon mal die Schrauben zu weit heraus, oder sie sind eben zu tief. Bei der Ab- und Aufnahme des Magazinaufsatzes sticht die Lösung von Makita überraschend als weniger praktisch hervor: Hier muss umständlich gedreht werden, was bei der Konkurrenz mit einem einfachen Knopfdruck und gleichzeitigem Ziehen erledigt werden kann. Bei Hilti und auch bei Spit funktioniert das am besten – und vor allem schnell. Und auch die Beladung mit der „Schraubenschlange“ gestaltet sich mit dem Makita-Schrauber als etwas umständlichere „Spielerei“. Ebenfalls merkbar sind die Unterschiede in Sachen Handling. Im Gegensatz zu der perfekt ausbalancierten, allerdings etwas zu breiten Hilti-Maschine und der praktisch kleinen Protool, sind die zu lang geratenen Produkte von Makita und Spit etwas kopfschwer und somit auf Dauer und vor allem einhändig schwerer zu handhaben.
Klarer Testsieger unter den Akku-Trockenbauschraubern mit Magazin ist die Hilti SD 5000-A22. Qualitativ wie ergonomisch ausgezeichnet verarbeitet, bringt diese Maschine nicht nur die stärkste Schraubleistung, sondern auch noch – nach technischen Angaben – den kräftigsten Akku mit. Hier stimmt einfach alles – auch bei den Einstellungmöglichkeiten wie der Ab- und Aufnahme des Magazins lässt sich das Gerät ohne jede Einschränkung einfach bedienen. In allen Bewertungskriterien gab es dafür die Höchstpunkte.
DuraDrive DWC 12-4000 DEC, die „kleine freundliche Maschine“ von Protool, hat es besonders Trockenbauer Cividino angetan. Da funkeln die Augen vor Liebe: „Mit der kann ich mich anfreunden. Sie ist klein und liegt gut in der Hand.“ Auch hier stimmt nahezu alles. Das Kräftemessen mit Hilti schafft Protool zwar nicht, aber niedriges Gewicht, gute Balance und geringe Größe sprechen eine klare Sprache. So muss ein Akku-Gerät eben sein, will es gegen die Netzkonkurrenz antreten. Einziger Wermutstropfen: Das Magazins steckt ohne wirkliche Fixierung auf. Die Ab- und Aufnahme ist nur mit roher Krafteinwirkung zu bewältigen, läuft aber auch durchaus schnell ab. Bei der Einstellung für die Schraubenlänge muss aufgepasst werden: Die rutscht gern einmal aus dem Gerät heraus.
Makitas baugleiche Modelle BFR750 RFE (für die Schraubenlängen 45 bis 75 Millimeter) bzw. BFR550RFE (25 bis 55 Millimeter) können bei der Leistung – in Umsetzung wie auch Akku – mit Hilti durchaus mithalten. Auch wenn Makita keine Angaben betreffend Drehmoment macht. Ebenfalls ist sie bestens verarbeitet. Anfängliche Probleme gab es beim „Befüttern“ mit den magazinierten Schrauben, und auch die Demontage des Magazins ist umständlicher als bei der Konkurrenz. Generell ist das Gerät auch etwas zu groß geraten und aufgrund seiner Kopfschwere schwieriger zu bedienen. Bei längerer Arbeit werden schon beide Hände gebraucht, und es ist fraglich, ob sich Trockenbauer da umgewöhnen wollen.
Das große Manko von Spits 216HDI ist neben der verbesserungswürdigeren Balance und der Überlänge die eingeschränkte Möglichkeit der Justierung der Tiefeneinstellung. Nachteilig ist auch die Bestückung mit Nickel-Metallhydrid-Akkus. Deshalb will Spit seinem Trockenbauschrauber demnächst einen Lithium-Akku spendieren. Ansonsten ist aber auch dieses Gerät durchaus praxistauglich.
Für die Trockenbauprofis von Uniprojekt ist der Einsatz von Magazin und Akku nach vollzogenem Test „reine Geschmackssache“. Anfängliche Skepsis hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Die Beiden unisono: „Die Geräte haben eindeutig ihre Vorteile. Für den Profibereich sind sie jedenfalls geeignet.“ Der wahrscheinlichste Grund, warum die Magazinschrauber am Bau eher Exoten sind, ist neben den höheren Kosten für die magazinierten Schrauben ein subjektiv anderes Arbeitsgefühl, das der gewohnten, langjährigen Tätigkeit entgegensteht.


Kriterium Handling: Für lang andauerende Arbeiten wie im Trockenbau ist vor allem ein optimal Âausbalanciertes Gerät vonnöten.
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Tipps zu Magazin-
schraubern
Reinigung: Ganz wichtig – Gerät wie Magazin niemals schmieren. Zur Reinigung mit Pinsel oder Wasser von Staub oder Materialresten befreien.
Ab- und Aufnahme Magazin: Vorsicht beim Anstecken des Magazinaufsatzes gilt dem langen Schraubbit, der mittig eingeführt werden muss.
Tiefeneinstellung: Um eine ideale Höhe des Schraubenkopfes zu erreichen, kann die Tiefeneinstellung meist auf Zehntelmillimeter genau feinjustiert werden.
Testsieger Hilti SD 5000-A22
Bei Hiltis SD 5000-A22 stimmt eigentlich alles: Hier wird mit 5.000 Umdrehungen in der Minute und 9,5 Nm überragende Kraft wie bei netzabhängigen Geräten sowie hohe Akkuleistung geboten. Selbst das vergleichsweise höhere Gewicht fällt aufgrund der optimalen Balance kaum auf. Die bestens verarbeitete Maschine lässt sich zudem mit der Abnahme des Magazinaufsatzes in Sekundenschnelle in einen handlichen Schrauber verwandeln.
Fazit: Höchstpunktezahl in allen Kriterien!
(Redaktion: Helmut Melzer, Bauzeitung)