Umwelt
21.05.2010
Passivhäuser für die Wüste
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Arabern etwas über die Vorteile eines Passivhauses zu erzählen hat schon etwas Paradoxes an sich. In der Alpenrepublik liegt nun einmal der vorrangige Nutzen in der Erhaltung von Wärme. Und davon haben die arabischen Länder weiß Gott genug. Blendet man jedoch Schnee und Eis aus und ersetzt sie durch glühenden Sand, erscheint das Konzept gar nicht mehr so abwegig. Sorgt doch auch in unseren Breiten das Passivhaus im Sommer für angenehme Innentemperaturen. Dass das auch für südliche Länder Sinn macht, findet Karl Heinz Wingelmaier, Geschäftsführer des privaten Wiener Bauträgers „das House“: „Ich sehe dort einen Markt für das Passivhaus. Das Thermosflaschenprinzip funktioniert schließlich für warm und kalt.“
Konzept für heiße Regionen
Und der findige Geschäftsmann nutzte seine Verbindungen zur österreichisch-arabischen Handelskammer AACC, lud Botschafter und Vertreter aus 14 arabischen Ländern, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Kuwait, Ägypten und die Arabische Liga, ins sein neuestes Passivhaus in Korneuburg. Die zeigten großes Interesse und ließen sich über den aktuellen Stand der Technik informieren. „Wenn man einmal das Passivhaus und die zugehörige Technologie in einem Mix sieht, ist das natürlich für heiße Länder interessant. Und in der Diskussion haben das die Gäste sehr wohl erkannt. Bei uns richtet man die Häuser gegen Süden aus, dort dann eben nach Norden“, erklärt Wingelmaier. Das Konzept Passivhaus werde dann schließlich einfach „umgedreht“. Behagliches Wohnklima mit verschwindend geringen Energiekosten und eventuell sogar Überschüsse – für Länder, die ihren Reichtum auf fossile Energiequellen begründen: Macht das auch ökonomisch Sinn? „Die wissen ganz genau, dass ihre Ölvorkommen irgendwann zu Ende sind“, meint der House-Chef.
Deshalb ist die Idee des Passivhauses und erneuerbare Energie dann eben auch für die Araber nicht gänzlich neu. Mit der Masdar-City in Abu Dhabi etwa, einem Bauvorhaben, eine Stadt vollkommen mit erneuerbaren Energiequellen zu versorgen, setzen die Vereinten Arabischen Emirate bereits neue Maßstäbe. Sechs Quadratkilometer groß, sollen hier ab 2016 47.500 Einwohner und rund 1.500 Unternehmen ein neues, ökologisches Zuhause finden. Hier ist zudem der künftige Sitz der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energie (Irena) geplant. Eben ein von den Emiraten gewohntes Riesenprojekt. Ein Volumen, das die Kapazität eines Unternehmens wie „das House“ doch wesentlich übersteigt, wie Wingelmaier bestätigt: „Das würden wir natürlich nicht schaffen. Aber wir könnten unser Know-how einbringen und mitentwickeln. Schließlich liegt hier das österreichische Niveau in Sachen Passivhaus an der Weltspitze.“ 
Investitionen für heimische Projekte
Und auch wenn das informative Treffen noch zu keinen konkreten Geschäftsbeziehungen geführt hat: Wingelmaier sichtet reges Interesse. Ein weiterer Termin soll im Sommer stattfinden. Wenn das Korneuburger Passivhaus – übrigens mit einer Top-Energiekennzahl von neun Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr – seine Kühlfunktion bei den arabischen Gästen anschaulich ausspielen kann, dann könnten auch die Pläne von Wingelmaier aufgehen. Und wenn nicht in Form von Projekten in arabischen Ländern, dann bringen die neuen Beziehungen eventuell frisches Kapital für heimische Unternehmungen.
Helmut Melzer

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