11.06.2010
Schützen und erhalten
Ganz im Zeichen von Bautenschutz und Denkmalpflege wurden Ende Mai in den historischen Gemäuern der Landesinnung Bau Wien die 18. Wiener Sanierungstage abgehalten. Begrüßt wurden die zahlreichen Teilnehmer vom Hausherren Walter Ruck, Landesinnungsmeister Bau Wien. Veranstaltet vom ofi Institut für Bauschadensforschung brachte der Kongress spannende und innovative Themen ans Licht. In nur zwei Tagen wurden eine Vielzahl an interessanten Vorträgen präsentiert. Hochkarätige Vortragende berichteten über Stadtbildgestaltung, Denkmalschutz und Sanierung denkmalgeschützter Objekte.
Nachhaltige Entwicklung
Michael Balak vom ofi Institut für Bauschadensforschung präsentierte auch selber wieder spannende Neuheiten aus der Forschung. Er referierte zum Thema „Mauerwerkstrockenlegung – wesentlich für den Bautenschutz“. Sein Fazit: „Im Hinblick auf die langfristige Erhaltung des Altbaubestandes, aber auch im Hinblick auf die Reduktion der Wärmeleitfähigkeit des Mauerwerks ist die Mauerwerkstrockenlegung unumgänglich“, so Michael Balak.
Auch das Thema der Nachhaltigkeit wurde abgedeckt. Manfred Wehdorn, Professor an der TU Wien, Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege, erläuterte in seinem Vortrag „Denkmalpflege und Technologie: Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit im Bauwesen“, dass der Begriff der Nachhaltigkeit zwar in aller Munde ist, aber im Bauwesen häufig auf den Begriff der Ökologie oder sogar der Wärmedämmung reduziert wird.
„Die Problemstellungen sind im Allgemeinen bekannt, die aktuelle wirtschaftliche Lage und unsere gesellschaftliche Verantwortung erfordern neue, innovative Lösungsansätze, welche die Nachhaltigkeit auch im Bereich von Bausanierung und Denkmalpflege begründen“ so Wehdorn. In seinem Referat „Nachhaltigkeit in Bauwerkssanierung und Denkmalpflege: Konfliktpotenzial oder Selbstverständlichkeit?“ stellt Peter Maydl, Professor an der TU Graz, Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie, fest: „Nachhaltige Denkmalpflege ist mit dem Konzept einer nachhaltigen Entwicklung nicht nur vereinbar, sondern wesentlicher Bestandteil.“
Besondere Herausforderung
Maydl weiter: „Der Schwerpunkt ist zweifellos in der sozialen Nachhaltigkeit zu sehen. In Hinblick auf die heute vielfach geforderte thermische Sanierung entspricht der winterliche, mitunter sommerliche Wärmeschutz von Gebäuden vor dem Ersten Weltkrieg mit massivem Ziegelmauerwerk als Wandbildner zwar meist nicht den heutigen Wärmeschutzanforderungen, stellt aber doch vielfach einen befriedigenden Kompromiss dar.“ Darüber hinaus plädiert er dafür, dass Nachhaltigkeitszertifikate für denkmalgeschützte Gebäude nach anderen Bewertungskriterien beurteilt werden als Neubauten. Bewertungskategorien und Gewichtungen müssten in diesem Fall modifiziert werden, „um den Anforderungen der Denkmalpflege und damit auch der Gesellschaft einschließlich künftiger Generationen gerecht zu werden“, so Maydl.
Baumeister Walter Brusatti referierte über die Erdbebensicherheit von Gründerzeithäusern. In diesem Zusammenhang stellte er auch den Ingenieurbefund im Detail dar. „Einstürzende Fassaden und evakuierte Wohnhäuser sind ein Zeichen für den wachsenden Bedarf an fundiertem Ingenieurwissen über den Hausbestand. Dies geht weit über die Einschätzung der Erdbebengefährdung hinaus: Besonders Feuchtigkeitsschäden und illegal durchgeführte Baumaßnahmen weisen ein sehr hohes Gefährdungspotenzial für die Bewohner auf und sind im Rahmen einer Gebäudebefundung besonders zu beachten“, so Brusatti.
Andreas Kolbitsch, Professor der TU Wien, Institut für Hochbau und Technologie, ergänzte das Programm mit seinem Vortrag „Sicherheit und Bestand: Aspekte der Erdbebensicherheit im historischen Baubestand“ und sprach vor allem die wichtige Beurteilung der Besonderheiten bei der Substanzbewertung und die von anderen Bauvorhaben abweichenden Bedingungen an: „Die hohen Ansprüche an die möglichst genaue Aufnahme des Bestandes schlagen sich in deutlich höheren Kosten für die Voruntersuchungen nieder. Einsparungen in dieser Untersuchungsphase sind jedoch in fast allen Fällen mit nicht kontrollierbaren Kostensteigerungen während der Sanierungsphase verbunden“, so Kolbitsch.
Historische Gebäude zu dämmen ist eine Herausforderung. Dass Gebäude mit historischer Fassade ausschließlich von innen gedämmt werden können, liegt auf der Hand. Axel Rahn, vom Ingenieurbüro Axel C. Rahn aus Berlin, stellte im Rahmen seines Vortrages die Frage „Welches ist die richtige Innendämmung?“ und beantwortete sie: „Grundsätzlich gibt es nicht die richtige Innendämmung, sondern man muss sich vielmehr für eine Innendämmung unter Berücksichtigung der individuellen Eigenschaften der vorhandenen Bausubstanz, der vorgesehenen Nutzung sowie der geplanten Oberflächenbehandlung und der möglichen zuzusichernden raumseitigen Oberflächeneigenschaften entscheiden“, so Rahn.
Diana Danbauer

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