05.07.2010
Mit der Sonne bauen
Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und alternative Energiequellen sind die aktuell wesentlichsten Schlagwörter der im Wandel befindlichen Bauwirtschaft. Neben Niedrigstenergie- und Passivhaus erobert sich das spezielle Konzept des Sonnenhauses seinen Platz am Markt: Eine gute Wärmedämmung, über 50 Prozent solare Deckung des Energiehaushaltes und erneuerbare Energie zur unterstützenden Beheizung sind dabei die Eckpfeiler.
Gerade aufgrund dessen, dass die Primärenergiekennzahl zum wichtigsten Kriterium der Wohnbauförderungen wird und etwa Umweltzertifikate für Gebäude der Energieeffizienz besonderes Augenmerk schenken, steht das Sonnenhaus für Wohnen der Zukunft.
„Derzeit wird in Oberösterreich allein die Nutzheizenergiekennzahl herangezogen, die allerdings nichts über das energetische Gesamtkonzept eines Hauses aussagt“, erläutert Rudolf Ecklmayr, Geschäftsführer des Oberösterreichisch-Salzburgischen Zieglerverbandes. In Oberösterreich entstand deshalb eine Kooperation: Gemeinsam mit der Landesinnung Bau und der Landesinnung Installateure macht man sich für das Sonnenhaus stark, weil es die kostenlose und unbegrenzt vorhandene Energie der Sonne als Primärenergie nützt.
Auch die EU fordert eine gesamtheitliche Betrachtung der Energieeffizienz: Der Primärenergiebedarf, der auch die CO2-Emission bestimmt, ist somit ein aussagekräftiger Wert – sowohl für Umwelt im Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit als auch für den Bauherrn. „Das Sonnenhaus amortisiert sich rasch durch die äußerst niedrigen Betriebkosten“, argumentiert Rudolf Ecklmayr. Und er vergleicht: Stellt man ein Sonnenhaus einem extrem gedämmten Haus gegenüber, werde klar, warum der bisherige Förderungsansatz Nutzheizenenergiekennzahl gegenüber der Primärenergiekennzahl nur wenig Aussagekraft habe.
Das Sonnenhaus hat aufgrund seines Heizwärmebedarfs eine schlechtere Nutzheizenenergiekennzahl, schneidet aber beim Primärenergiebedarf und den jährlichen Energiekosten deutlich besser ab. Beide Werte verringern sich um mehr als die Hälfte. Mit einer Aktion will man nun das Sonnenhaus promoten. Die ersten drei bewilligten Projekte für ein Einfamilien-Sonnenhaus erhalten die passenden Ziegel für das gesamte Mauerwerk inklusive der 50 Zentimeter starken Außenmauern geschenkt. „Damit wollen wir ein Zeichen setzen und energiebewussten Bauherren schon jetzt einen Anreiz geben, sich unabhängig von nicht erneuerbaren Energieträgern zu machen“, so Ecklmayr.
Sonnenhaus-Seminare
Parallel dazu startete heuer eine Bildungsinitiative: In Kooperation mit dem deutschen Sonnenhaus-Institut fand bereits im Jänner das erste Intensivseminar zum Thema in der BauAkademie in Steyregg statt. Ende Mai folgte auf Initiative des Verbandes der Österreichischen Ziegelwerke (VÖZ) der zweite Bildungstag an der BauAkademie Niederösterreich in Langenlois. Für Herbst ist eine weitere Veranstaltung in der Steiermark geplant.
„Sonnenhäuser werden ganzjährig überwiegend von der Sonne beheizt. Die natürlichen wärmespeichernden und wärmedämmenden Eigenschaften des Ziegels, die durch modernste Technologien perfektioniert wurden, machen ihn zum idealen Baustoff für das Sonnenhaus, der ganz wesentlich auch zum optimalen Wohnkomfort beiträgt.
Zusätzlich gibt das Sonnenhaus seinen Bewohnern das gute Gefühl, von den fossilen Brennstoffen Öl und Gas völlig unabhängig zu sein. Und auch bezüglich der Wirtschaftlichkeit ist das Sonnenhaus ein Vorzeigemodell. Etwas höhere Planungs- und Errichtungskosten amortisieren sich letztlich aufgrund der Tatsache, dass die Sonne keine Rechnungen schickt. Sonnenenergie ist kostenlos – heute, morgen und übermorgen“, erläutert Norbert Prommer, Österreich-Geschäftsführer des VÖZ.
Helmut Melzer

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