23.07.2010
Wohnen ohne Barrieren

Nachhaltig Bauen heißt nicht nur, auf Energie und Klimaschutz zu achten. Barrierefreiheit ist im Alltag vor allem für ältere Menschen ein Thema. Dieser Thematik hat sich nun auch verstärkt die Bundesinnung Bau angenommen. Im Zusammenhang mit der Initiative des Baugewerbes BauFair!, die gegen die Schattenwirtschaft ankämpft, wollen die Akteure nun auch den Einsatz für klimaeffiziente und altengerechte Bauweise vorantreiben. Ende Juni wurde zum Thema „Bauen für das Alter – Wohnen ohne Barrieren“ zur Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Teilnehmern von der Bundesinnung geladen.
Anlass dazu war nicht zuletzt die aktuell erschienene Studie „Volkswirtschaftlicher Vergleich von altengerechten Wohnversorgungstypen“, die im Auftrag der Bundesinnung von Leitner Planung & Consulting GmbH durchgeführt wurde. Als Einstieg in die Diskussion wurde die Studie von Rudolf Leitner, Geschäftsführer, präsentiert und vorgestellt.
Daheim statt Heim
Autoren und Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass ältere Menschen am liebsten so lange wie möglich daheim bleiben. Leider ist die Übersiedelung in ein Alten- oder Pflegeheim oft notwendig. „Als zweithäufigster Eintrittsgrund ins Pflegeheim werden von Betroffenen Wohnraummängel angeführt: fehlender Lift, mangelnde Barrierefreiheit, Probleme mit Heizung und Sanitären, Telefon etc. Hier kann und muss auf breiter Basis auch und gerade in der Sanierung der Bestandswohngebäude vorgebeugt werden, um ein möglichst langes und selbstständiges Verweilen im eigenen Wohnraum zu ermöglichen und einem frühzeitigen Wechsel in teure Versorgungssysteme entgegenzuwirken“, so Rudolf Leitner. Zusammenfassend ist das Resümee des Baumeisters klar: Sanierung ist beim Thema Seniorenversorgung dem Neubau vorzuziehen.
Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister spricht die gesellschaftliche Verantwortung an, die mit der Seniorenversorgung einhergeht: „Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, daheim statt im Heim alt werden zu können. Die Verantwortung dafür liegt beim Bund, bei den Ländern, den Gemeinden, aber auch bei anderen Beteiligten wie etwa den Bausparkassen“, so Frömmel.
Die Frage nach der bestmöglichen Betreuung ist für Erwin Buchinger, Behindertenanwalt, die zentrale Frage. „Ältere Menschen, die zusätzlich eine Behinderung haben, brauchen eine besondere Betreuung.
Diese gilt es in jedem Fall zu optimieren. Hier steht die besondere Anforderung der höchstmöglichen Integration gegenüber“, so Buchinger. Josef Schmidinger, Vorstandsvorsitzender der S-Bausparkassen, ist überzeugt: „Lösungen können bereitgestellt werden.“ Doch nicht die Finanzierung allein ist häufig ein Problem. „Viele Senioren könnten es sich finanziell zwar leisten, ihre Wohnung oder ihr Haus umzubauen und altengerecht zu gestalten, tun es aber trotzdem nicht.
Zusätzlich zu den Finanzierungsmodellen wäre eine Imagekampagne notwendig. Vor allem ist das Service hier entscheidend. Ein One-Stop-Shop-System spricht auch die ältere Bevölkerung an“, ist Gertrude Aubauer, Nationalratsabgeordnete und Seniorensprecherin der ÖVP, überzeugt. Auch Christian Faul, Nationalratsabgeordneter und Seniorensprecher der SPÖ, sieht im Servicebereich Handlungsbedarf: „Die Bauinnung bzw. Bauwirtschaft muss sich bewusst sein, dass das Konzept ‚Alles aus einer Hand‘ beim Bauen immer mehr in den Vordergrund rückt.“ Unabhängig von Finanzierung und Image bringt Frömmel die aktuelle Lage auf den Punkt: „Schneller Handlungsbedarf ist jetzt gefordert. Es ist dringend notwendig, Lösungen zu suchen und zu finden. Bei richtiger Herangehensweise bin ich überzeugt davon, dass sich Investitionen hier auch rechnen.
Diana Danbauer




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