20.08.2010
Spektakuläre Blickfänge
![]() Kunst am Zaun: Der Bauzaun für die Baustelle des Landesmuseums Vorarlberg in Bregenz wurde von der Künstlerin Maria Anwander entworfen. |
Baukultur hat sich als Begriff etabliert – damit eng verbunden ist Kunst am Bau.Dabei wird ein Künstler jeweils eingeladen, eine sogenannte Intervention zu erstellen, die einerseits zum Gebäude passt und mit der andererseits eine bestimmte, vom Bauherren gewünschte Botschaft verbunden ist. Rund ein Prozent der Netto-Hochbausumme lassen öffentliche Bauherren für Kunst am Bau im Schnitt springen – je nach Größe des Bauvorhabens. In dem Grundsatzerlass von 2006 „Kunst und Bau“ ist über den Umfang festgehalten: „Neubauvorhaben des staatlichen Hochbaus sollen grundsätzlich künstlerisch ausgestaltet werden …“ Im Bereich der Burghauptmannschaft werden seit der Gründung der BIG nur noch vereinzelt Neubauvorhaben, auf die diese Regel angewendet wurde und wird, durchgeführt.
Die Burghauptmannschaft wickelt nur noch (General)Sanierungen (und gegebenenfalls Zubauten) in den ihr verbliebenen historischen Objekten ab. Die Bundesimmobiliengesellschaft vergibt Kunst-und-Bau-Projekt ausschließlich über geladene Gutachterverfahren. An die zwei bis vier Projekte pro Jahr mit Kosten von 150.000 bis 200.000 Euro werden an ausgewählten Bauvorhaben realisiert. Das aktuellste Projekt ist „Der Muse reicht’s“ von Iris Andraschek in der Universität Wien.
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Riesenbild in der neu renovierten, umgebauten und erweiterten Burg in Perchtoldsdorf – ein Kunst-am-Bau-Projekt von Christian KönigRiesenbild in der neu renovierten, umgebauten und erweiterten Burg in Perchtoldsdorf – ein Kunst-am-Bau-Projekt von Christian König |
Idee für Bauzaun
Bregenz zeigt sich ebenso kreativ. Zurzeit wird das Vorarlberger Landesmuseum umgebaut. Der Bauzaun wurde von der Künstlerin Maria Anwander mit knapp 11.000 kleinen Schildern mit den Namen von im Landesmuseum beheimateten Werken verziert. Das Projekt „Kunst am Zaun“ sorgt dafür, dass die Stücke auch in der Umbauzeit nicht in Vergessenheit geraten. Die derzeit 10.953 Werke hat sie in Form von kleinen Titelschildchen an den Bauzaun geheftet.
„Die Präsentation aller künstlerischen Arbeiten im Sammlungsbestand des Vorarlberger Landesmuseums bildet eine imaginäre Ausstellung, deren Umfang jede bisher in Vorarlberg reell stattgefundene Ausstellung übertrifft“, erklärt Anwander. In zwölf Tagen verwandelte die Künstlerin den Bauzaun in ein Kunstwerk. Für Andrea Kaufmann, Landesrätin und die Kulturreferentin der Vorarlberger Landesregierung, hat die Verknüpfung von Kunst und Bau im Fall des Landesmuseums eine ganz besondere Bedeutung: „Hier entsteht ein modernes, lebendiges Museum für Vorarlberg, das Identität stiftet, den Zusammenhalt stärkt und einen grenzüberschreitenden Bezug herstellt. Diese Offenheit soll bereits während der Bauphase zum Ausdruck kommen.“
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Glasbausteine mit applizierter Fotografie: Eine Idee von Bruno Stettler, der damit der Kunst eine Chance auf dem Bau gibt. |
Glasbausteine anders
„Glas als Material für Gegenwartskunst war lange unterbewertet, ein Geheimtipp sozusagen. Aktuell ist dieser faszinierende Werkstoff aber mehr denn je wieder im Trend. Es geht dabei nicht um Muranoglas-Ästhetik oder kunsthandwerklichen Kitsch. Glas als progressives Ausdrucksmittel der Gegenwartskunst ist heute angesagt“, erklärt Bruno Stettler seine Idee „Handcrafted Icons on Glass“. Als erstes Projekt transferierte Stettler raffiniert bearbeitete, großformatige Heiligenbilder in komplexem handwerklichem Verfahren auf Glasbausteine.
Entstanden sind dabei Glaslichtbilder, die sich je nach Lichteinfall immer wieder verändern. Ob angestrahlt von Sonne, Kerze oder Lampe, die Bilder leben. Die Glasbausteine werden sujetgleich zweiseitig bedruckt. „So erhält man je nach Betrachtungswinkel immer wieder einen anderen Eindruck der Bilder. Es stellt sich da so etwas wie ein 3-D-Effekt ein, obschon es sich hier ja nicht um eigentliche 3-D-Fotografie handelt“, erklärt Stettler.
Christian König, Maler, erstellte für die neu renovierte Burg in Perchtoldsdorf – Bausumme rund zehn Millionen Euro – ein 21 Meter langes Wandfries.
Der Blickfang im Unter- und Obergeschoß der Burg ist gewaltig, keiner kommt an dem Kunstwerk vorbei. Geplant wurde die neue Burg von den Architekten Michael Treiber und Gregor Reisenberger, Architekt Gerhard Moßburger verantwortete die Ausführungsplanung, die Baumeisterarbeiten erledigte die Ing. W. P. Handler BaugesmbH. Bürgermeister Martin Schuster, der die Werke für die Marktgemeinde Perchtoldsdorf in Auftrag gegeben hat, ist begeistert: „Die Vorgabe, ein Fries und ein Triptychon zu schaffen, das eine Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft schlägt, hat König mehr als erfüllt. Er hat unserer Burg eine Art Seele gegeben.“
Die Zusammenarbeit zwischen Künstler, Bauherrn und Planer verlief laut König hervorragend: „Im schönsten aller Fälle ist es so, dass Bauherr und Architekt eine Einheit sind und dem Künstler seine Freiheiten lassen, ihn unterstützen und sich mit aller Energie, mit Sorgfalt und Wissen um Kunst und Künstler zu kümmern. Angesichts der Vielschichtigkeit künstlerischer Positionen und des zunehmend breiteren Interesses an zeitgenössischer Kunst finde ich es besonders wichtig, auch als Künstler zum Publikum zu agieren und dem Besucher Wege in die Kunst zu ebnen. Denn eine Ausstellung ist dann gelungen, wenn sie den Besucher anregt und aufregt, ihn bereichert und neues Sehen eröffnet.“
Gisela Gary

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