03.09.2010
Theorie und Praxis
Mit der neuen Innovations- und Forschungsstelle in Salzburg soll dem entgegengewirkt werden.
Theorie und Praxis näher zusammenzubringen – das ist das primäre Ziel der Innovations- und Forschungsstelle Bau an der BauAkademie Salzburg. Johann Jastrinsky, Landesinnungsmeister Bau Salzburg, war federführend an der Positionierung der neuen Institution beteiligt. Geleitet wird die Stelle von Gunther Graupner, der als Baumeister und Architekt sowohl Praxis als auch Theorie vereint und somit als kompetenter Ansprechpartner fungiert.
Im Vordergrund steht in erster Linie der Wissenstransfer. „Es ist unmöglich, das Thema Forschung und Wissenstransfer nebenbei zu betreiben – weder für ein Unternehmen noch für eine Einrichtung wie die BauAkademien. Dazu ist das Thema viel zu umfangreich“, ist Johann Jastrinsky überzeugt, und erklärt den ursprünglichen Gedanken: „Es finden im Baubereich viele Forschungen statt, die nicht den Weg in die Praxis finden. Das Baugewerbe versteht es leider oft noch nicht, die Forschung adäquat umzusetzen, das heißt, der Transfer funktioniert nicht“, so Jastrinsky.
Obwohl es zahlreiche Förderprogramme im Baubereich gibt, die teilweise auch gut genutzt werden, wie etwa der Innovationsscheck, so ist Johann Jastrinsky dennoch überzeugt, dass viele Baumeister oft schon mit dem Antrag für ein Förderprogramm überfordert sind und daher der Zugang zur Forschung häufig nicht genutzt wird. „Um Forschungsergebnisse zu nutzen oder sogar selber Forschung zu betreiben, sind Ressourcen und Profis notwendig“, so Jastrinsky. Aus diesem Grund wurde von der Landesinnung Salzburg und der BauAkademie gemeinsam die Forschungsstelle eingerichtet.
Kompetente Hilfe
Um den Unternehmen, vor allem auch den KMUs, die keine Ressourcen für eigene Forschung haben, die Möglichkeiten des Wissenstransfers zu bieten, steht Gunther Graupner als Leiter der Innovations- und Forschungsstelle interessierten Firmen kompetent und hilfreich zur Seite. „In einem ersten Schritt haben wir eine Bedarfs- und Innovationserhebung bei den Salzburger Unternehmen durchgeführt. Teil meiner Arbeit ist es, direkten Kontakt mit den Betrieben aufzunehmen und zu schauen, welcher Bedarf tatsächlich gegeben ist und welche Probleme da sind“, erklärt Graupner. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die BauAkademie als Ausbildungsstätte. „Ein wichtiger Faktor sind die Menschen, die hier ausgebildet werden. Sie fungieren als Multiplikatoren bei der Verbreitung und der Umsetzung von Forschung in die Praxis“, ist Graupner überzeugt.
Aber nicht nur die Hilfestellung für Unternehmen und die Ausbildung von künftigen Fachkräften ist Aufgabe der Innovationsstelle. Auch eigene Forschungsprojekte werden verfolgt und auf allen Ebenen miteinander verflochten. So wird aktuell ein Pilotkonzept zum Thema „Bauteilaktivierung“ gemeinsam mit der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie erarbeitet. Im Studienjahr 2010/2011 sollen bereits die ersten Module in der BauAkademie angeboten werden.
Auch hier spiegelt sich die Idee wider, dass es notwendig ist, möglichst breit aufgestellt zu sein. „Innovation kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten auf dem richtigen Wissensstand sind – sowohl Planer, Bauherr, Baumeister als auch sämtliche Gewerke –, damit sich ein neues System erfolgreich durchsetzen kann“, so Graupner. „Es geht uns auch um den Brückenschlag zwischen Architekten und Baumeistern. Das gemeinsame Verfolgen von Zielen und die Interdisziplinarität sind notwendig, um langfristig erfolgreich zu sein.“
Aktuelles Forschungsprojekt
Auch die eigene Forschung kommt in Salzburg nicht zu kurz. So stehen am Gelände der BauAkademie bereits zwei Kuben in Holzbau, in denen die Standardanforderungen in einem neutralen Raum ohne Nutzerverhalten simuliert werden. „Ziel ist es herauszufinden, was das System wirklich kann, um danach mit einer konkreten Auswertung veranschaulichen zu können, wie das System funktioniert“, erklärt Graupner. Zusätzlich zu den beiden Kuben aus Holz sind noch ein Betonkubus und ein Ziegelkubus geplant. Zwei weitere Schwerpunktthemen, die in nächster Zeit geplant sind, ist einerseits die intensive Auseinandersetzung mit dem barrierefreien Bauen und der bundesweiten Initiative „Bauen für das Alter“ der Bundesinnung Bau. Das zweite Thema beschäftigt sich mit der Zusammenarbeit mit medizinischen Einrichtungen und soll ein interdisziplinäres Projekt werden. „Zusammenfassend konzentrieren wir uns auf drei wichtige Dinge: Schlüsselinitiativen näher bringen, Service bieten und Hilfestellung leisten“, fasst Gunther Graupner seine Arbeit zusammen.
Diana Danbauer

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