Trends am Bau
15.07.2009
Mit viel Optimismus ins neue Jahr
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Die Referenten der 64. Euroconstruct-Konferenz bestätigten ein starkes Wachstum der europäischen Bauwirtschaft in den Jahren 2006 und 2007. Das Euroconstruct ist ein europäisches Netzwerk, dem auch das heimische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) angehört. Für 2008 erwartet Georg M. Busch, Leiter der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der europäischen Kommission, eine Verlangsamung des rasanten Aufschwungs der vergangenen Monate: „Die fallenden Immobilienpreise wirken sich auf die Finanzmärkte aber im Detail auch auf den Wohnbau und die gesamte Konjunktur aus. Die allgemeine Wirtschaftslage wird fast täglich schwächer. Die Wirtschaft, insbesondere die Bauwirtschaft, ist aber stark genug, um dieser negativen Entwicklung standzuhalten.“
Dollar löst Finanzkrise aus
Busch erklärt als Gründe für die Verlangsamung den Ölpreis, den Dollarkurs wie auch die weltweite Finanzkrise. Jedoch betont er auch die positiven Elemente für 2008: Beschäftigung und Investitionen steigen, die Konsumenten sind optimistisch, die Spareinlagen hoch, die Inflation mit zwei Prozent moderat wie auch die Staatsergebnisse erweisen sich als wesentlich besser als vor fünf Jahren. Die Wertsteigerung des Euros wertet Busch als positiv. Auf der anderen Seite betont er das Misstrauen der Banken, welche auf ihren schlechten Krediten sitzen bleiben und damit die Kreditbedingungen für Private erst recht verschärfen: „Diese Dynamik wirkt sich erst wieder auf die Wohnbautätigkeit aus.“ Insgesamt erwartet Busch ein positives Wachstum der Bauwirtschaft – denn rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wird jeweils durch den privaten Konsumenten gestellt. Die Arbeitslosenrate wird von sieben auf sechs Prozent sinken – Thema wird laut Busch jedoch der Facharbeitermangel bleiben. Das bedeutet für die heimische Bauwirtschaft, 2008 verstärktes Augenmerk der Lehrlingsausbildung zu schenken.
Österreichs stabiler Wohnbau
Patrick de la Morvonnais, Wohnbauexperte des Institutes Bipe, Frankreich, schätzt den Verlust durch die Kreditkrise in den USA auf 400 Milliarden Dollar mit massiven Auswirkungen auf Europa, weil die Liquidität sinkt und ein Vertrauensverlust entsteht: „2008 wird es weniger Wohnbauaktivitäten geben und die Immobilienpreise werden weiter fallen. Auch für Wien prognostiziert Morvonnais im Neu-Wohnbau ein leichtes Minus. Er prognostiziert dem Wohnbau eine schwierige Kreditsituation bis 2009: „Viele Haushalte können sich Investitionen im Wohnen nicht mehr leisten – dort liegt nun die Herausforderung für die Regierungen.“ Die Anzahl der fertiggestellten Wohneinheiten wird bis 2010 auf 400.000 jährlich sinken. „Wir beobachteten einen radikalen Wechsel – 2006 war der Wohnbau noch der Motor der Wirtschaft, bis 2010 wird er aber drastisch zurückgehen. Nur Österreich, die Niederlande, Ungarn, Polen und Tschechien bleiben auf Wachstumskurs in Bezug auf Wohnneubau“, erklärt Morvonnais. Als wesentlichen Trend betonte Morvonnais auch die verstärkt zu erwartenden Investitionen in Sanierungsprojekte aufgrund der mittelfristigen Energiesparmaßnahmen.
Pekko Pajakkala, Institut VTT, Finnland, brachte die Trends des Nichtwohnbaus auf den Punkt: „30 Prozent aller Bauprojekte sind Geschäfts-, Büro- und Gewerbebauten, in Mittel- und Osteuropa laufen die stärksten Bautätigkeiten. Auch für die kommenden Monate bin ich mir sicher, dass diese Sparte stabil bleibt und sich gut weiterentwickelt.“ Auch bezüglich Verwertung zeigt sich Pajakkala optimistisch. Erich Gluch, Institut für Wirtschaftsforschung (IFO), Deutschland, bestätigt den Tiefbau auch als Motor für die Bauwirtschaft im Jahr 2008: „Vor allem in Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland und Spanien erwarten wir ein sattes Plus der Investitionen im Tiefbau. Dazu kommen die guten Einnahmen durch die Lkw-Maut wie auch die rund 2,5 Milliarden Euro, welche in die Revitalisierung von Eisenbahnstrecken innerhalb der EU investiert werden.“ Deutlich positive Auswirkungen wird auch der Ausbau des Breitbandnetzes der Telefonunternehmen haben – welcher wiederum dem Tiefbau zugute kommt. Die östlichen Nachbarländer werden eine Vielzahl an Infrastrukturprojekten umsetzen. In Ungarn und Tschechien erwartet Gluch ein Investitionsplus in Umweltmaßnahmen.
Zinsen drücken Erfolg
Margarete Czerny, Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), warnt vor überzogenen Erwartungen der Bauwirtschaft: „Der Bau wird nicht mehr der Konjunkturmotor sein – ausgelöst durch das zu erwartende Minus durch den Rückgang im Wohnbau. Der Bauboom hat sich 2007 bereits eingebremst. Dafür wird der Infrastrukturbereich zulegen.“ Czerny betont als positive Aspekte, dass die Arbeitslosenzahlen sinken werden, es mehr Beschäftigte geben wird, aber dennoch der Facharbeitermangel ein brandaktuelles Thema bleibt. Dazu kommen ihrer Meinung nach Engpässe bezüglich Material – wie zum Beispiel im Bereich Isolierung. „Finnland und Norwegen sind die beiden aktivsten Märkte für den Bau – 2008 wird am meisten in Schweden gebaut werden wie auch in Österreich und in den Niederlanden. Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn werden boomen“, erklärt Czerny. Für den Tiefbau und seine positiven Auswirkungen für die Bauwirtschaft macht Czerny vor allem Regierungsprogramme wie auch regionale Budgets verantwortlich.
Johannes Lahofer, Bundesinnungsmeister Bau, führt aus: „Im abgelaufenen Baujahr konnte zwar ein Anstieg des realen Bauproduktionswerts um 5,5 Prozent verzeichnet werden. Leider haben sich die Gewinnsituation und auch die Insolvenzquote von Baubetrieben trotzdem nicht entsprechend verbessert. Aufgrund des relativ milden Winters konnten in den Wintermonaten mehr Bauaufträge abgearbeitet werden, was jedoch in zahlreichen Regionen Auftragslöcher im Frühjahr nach sich zog. Die Arbeitslosenraten konnte erfreulicherweise deutlich gesenkt werden. Für 2008 prognostiziert das Wifo eine reale Bauproduktionssteigerung von drei Prozent, wovon 2,7 Prozent auf den Hochbau und 3,9 Prozent auf den Tiefbau entfallen. Das liegt zwar deutlich über dem Schnitt der westeuropäischen Staaten, beträgt jedoch nur rund ein Drittel der durchschnittlichen Zuwächse in Osteuropa. Im Regierungsprogramm wurden Anfang des Jahres auch für die Bauwirtschaft deutliche Weichenstellungen vorgesehen: Eines der zentralen Themen der nächsten Jahre ist das energieeffiziente und nachhaltige Bauen. Zur Erreichung der EU-Klimaschutzziele ist die thermische Sanierung der Nachkriegsbauten unabdingbar. Aber auch im Neubau ist Niedrigenergie- und Passivhausstandard unumgänglich. Dies war nicht zuletzt einer der Gründe, dass die Wohnbauförderung für die nächste Finanzausgleichsperiode nicht gekürzt wurde. Es wird darauf zu achten sein, dass aus dem vorhandenen Topf seitens der Länder so wenig wie möglich zweckentfremdet verwendet wird. Damit genügend Mittel für den Neubau bleiben, wird es auch notwendig sein, fiskalische Anreize für die thermische Sanierung zu schaffen und Mittel aus dem Klimaschutzfonds zu lukrieren. Die BauAkademien bieten laufend Schulungen für energiesparende Bauweisen an, um den erforderlichen Qualitätsstandards zu entsprechen. Die Lehrlingszahlen konnten zwar wieder leicht gesteigert werden, es besteht jedoch weiterhin ein akuter Mangel an qualifizierten Fachkräften, dem in den nächsten Jahren aufgrund der geburtschwächeren Jahrgänge und den verstärkten Pensionierungen entgegengewirkt werden muss. Zur Bekämpfung der Schwarzbeschäftigung am Bau wird ab 2008 bundesweit die Anmeldung vor Arbeitsbeginn eingeführt. Weiters wurde eine Sozialpartnereinigung zur Bekämpfung der Hinterziehung von Sozialversichungsbeiträgen erzielt, die 2008 in Gesetzesform gebracht werden muss. Danach haftet der Generalunternehmer für SV-Beiträge seines Subunternehmers in der Höhe von 20 Prozent des Auftrages, wenn Letzterer von der Sozialversicherung kein Unbedenklichkeitsstatus attestiert wurde oder der GU diesen Betrag nicht direkt an die Sozialversicherung überwiesen hat. 2008 steht wieder eine Kollektivvertragsrunde an. Neben der Lohnerhöhung werden dabei auch Themen wie Verbesserung der Jahresbeschäftigung, Arbeitszeitflexibilisierung, BauÂarbeiter-Urlaubsrecht und Pensionsversorgung der Bauarbeiter behandelt werden.“

2. Platz beim Niederösterreichischen Baupreis: Einfamilienhaus S*L; Planung: Christa Söldner u. Michael Scheriau; Bauausführung: Burgmann R-BaugesmbH
Walter Ruck, Landesinnungsmeister Bau Wien: „Mit einem Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent überhitzt der Markt zwar noch nicht, aber wir können zufrieden sein. 2007 ist aber auch ein Jahr der unsinnigen Entscheidungen gewesen; Stichwort Partikelfilterpflicht und GU-Haftung. Hätte man bei dem einen oder anderen Punkt im Vorfeld systematischer und realitätsbezogener gedacht, dann würde man sich jetzt die eine oder andere Relativierung ersparen. Bewusstseinsbildung in jeder Hinsicht ist, um nachhaltig erfolgreiche Entscheidungen zu treffen, unumgänglich. So hat die Stadt Wien gemeinsam mit der Bauinnung ein Paket zur Staubvermeidung auf Wiens Baustellen geschnürt. Weniger Staub auf Baustellen schützt nicht nur Anrainer vor dem gesundheitsschädigenden Feinstaub, sondern auch Bauarbeiter. Weiters gehört es zur Visitenkarte einer Stadt, saubere Baustellen zu haben, denn auch sie prägen das Stadtbild. Und blickt man Richtung EM 2008, dann rückt gerade das Bild der inneren Stadt in den Fokus der Öffentlichkeit – inklusive Krane, Bagger und Gerüste. 2008 wird auch ein Jahr der Vorbereitung auf 2009 werden, wenn die Arbeitnehmerfreizügigkeit voll greifen wird. Ich kann nur immer wieder zur Fort- und Weiterbildung aufrufen, denn Ausbildung, Qualität und Know-how sind ein unbezahlbares Gut, das jedem Dumpingpreis die Stirn bietet!“
Positive Signale aus Tirol
„Die Trends der Tiroler Bauvorschau 2007/2008 schließen nahtlos an die positive Entwicklung von 2006 an. Gegenüber der Winterprognose entwickeln sich 2007 die nominellen Bauproduktionswerte weiterhin positiv. Der Grund dafür liegt vor allem in dem sehr starken Frühjahr. „Dies führte auch zu einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 9,6 Prozent. Die guten nominellen Bauproduktionszahlen werden jedoch durch die ungewöhnlich hohen Baupreisindexsteigerungen relativiert und real auf ein Minus zurückgeführt. Für 2008 kann jedoch wieder mit einem geringen Ârealen Plus gerechnet werden“, erklärt Othmar Kronthaler, Landesinnungsmeister Bau Tirol. Nach dem extrem positiven Jahr 2006 sollte das hohe Niveau des Bauproduktionswertes auch 2007 und 2008 gehalten werden können. Gegenüber der Winterprognose hat sich die Prognose für 2007 nominell nach oben entwickelt (plus 2,8 Prozent nominell gegenüber 0,4 Prozent bei der Winterprognose). Durch die ungewöhnlich hohe Baupreisindexsteigerung in fast allen Sparten wandelt sich das nominelle Plus allerdings in ein reales Minus von 0,7 Prozent. Für 2008 ist ein leichtes Plus von 0,2 Prozent prognostiziert. Nach einem sehr starken Frühjahr 2007 (speziell im Tunnelbau und Sonstigem Tiefbau) entwickelt sich das zweite Halbjahr 2007 gegenüber 2006 gesamt gesehen etwas moderater.
Kampf den Pfuschern
Vorarlberg blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2007 zurück. „Mit einem erfreulichen Aufwärtstrend in beinahe allen Bereichen konnte die heimische Bauwirtschaft maßgeblich zur positiven Konturentwicklung beitragen“, erklärt Franz Drexel, Landesinnungsmeister Bau Vorarlberg. „Einziger Wehrmutstropfen: Der Wohnbau“, so Drexel, „der in dem kommenden Jahr durch die per 1. Jänner 2008 in Kraft tretende Bautechnikverordnung in eine schwierige Situation kommen könnte.“ Die bereits zur Tradition gewordene „Blitzumfrage“, die zum Jahresende unter Vorarlbergs Bauunternehmern durchgeführte wird, zeigt, dass 56 Prozent der Befragten die momentane Auftragssituation im Vergleich zu 2006 als gleich bleibend oder sogar besser bewerten. Dem kommenden Jahr stehen Brancheinsider allerdings aufgrund der immer kurzfristigeren Auftragsvergabe teilweise skeptisch gegenüber: 59 Prozent schätzen die Auftragssituation für das 1. Halbjahr 2008 im Vergleich zu heuer besser oder gleich bleibend ein, 41 Prozent der Befragten erwarten sich Rückgänge. „Für 2008 befürchten wir im Wohnbau neuerliche Rückgänge. Diese haben ihren Ursprung in einer immer drastischer ansteigenden Kostenentwicklung“, so Karl Grabher, Wohnbausprecher der Bauinnung. Auf der Kostenseite kommen laut Grabher aber noch weitere Belastungen dazu wie ein Anstieg der Grundstückspreise, ein höheres Zinsniveau, niedrigere Baunutzungszahlen oder zusätzliche Hochwasserschutzanforderungen der Gemeinden.
Chance durch öffentliche Hand
Optimistisch wird hingegen die Entwicklung im öffentlichen Hochbau sowie im Industrie- und Gewerbebau gesehen: „Aufgrund der guten Konjunkturlage entwickelt sich gerade der Gewerbebau äußerst positiv“, erklärt Ale-xander Stroppa, Hoch- und Tiefbau-Verantwortlicher in der Bauinnung, „Mit Projekten wie der Montafoner Bahn Hilti/Thüringen, Red Bull/Ludesch und Delunamagma/Bludesch zeigt sich insbesondere im Oberland ein starker Aufwärtstrend.“ Mit Sorge gesehen wird die Entwicklung im Öffentlichen Tiefbau, die sich schon im aktuellen Jahr problematisch zugespitzt hat: „Die Hochwasserschutzprojekte, die uns 2006 und auch zum Teil 2007 begleitet haben, fehlen im Jahr 2008 zur Gänze. Dazu kommt, dass auch große Straßenbauprojekte wie der Achraintunnel in der Fertigstellung sind und noch keine spruchreifen Großprojekte fürs kommende Jahr anstehen“, so Stroppa. „Lediglich die Planungsphase zur Umfahrung Feldkirch, die 2010 fertig gestellt werden soll, lässt uns vorsichtig optimistisch denken.“ Große Projekte wie die zweite Tunnelröhre im Pfändertunnel gehen an der heimischen Bauwirtschaft spurlos vorbei. „Nicht einmal Kies oder Beton aus Vorarlberg wird hier eingesetzt“, kritisiert Drexel, dass trotz der Größe dieses Bauvorhabens nahezu keine Wertschöpfung im Ländle bleibt.
Maria Epple, Landesinnung Bau Burgenland, bestätigt ein gutes Jahr 2007, die Auftraglage betreffend: „Jedoch die Preise wurden nicht entsprechend angehoben! Die Industrie hat ihre Preiserhöhungen durchgezogen, doch wir Baumeister konnten aufgrund von Fixpreisvereinbarungen die Erhöhungen natürlich nicht weitergeben. Die größten Auftraggeber bei uns sind die Siedlungsgenossenschaften, auch diese sind nicht bereit, mehr zu zahlen und verfolgen knallhart und sehr aggressiv das Billigstbieterprinzip.“ Das Burgenland ist stark vom Facharbeitermangel wie auch der Scheinfirmenproblematik betroffen: „Dies trifft vor allem kleine Bauunternehmer, weil die im direkten Preisduell mit den Scheinfirmen liegen.“ Für 2008 ist Epple optimistisch – jedoch wird ein starkes Thema die gestiegenen Energiekosten sein. Diese wirken auch auf die Materialpreise, die täglichen Schwankungen unterliegen. Der teilweise willkürlichen und ihrer Meinung nach viel zu großzügigen Vergabe der individuellen Gewerbeberechtigungen will Epple 2008 vor allem ein besonderes Augenmerk schenken.
Lehrlingszahlen im Aufwind
Herbert Pichler, Landesinnung Bau OberÂösterreich, freut sich über die positive Entwicklung der Lehrlingszahlen und dass viele Betriebe den Jugendlichen eine Lehrstelle mit guten Aufstiegschancen bieten: „Massive Lehrlingswerbung, insbesondere durch die Auszahlung der 1.500 Euro Lehrlingsprämie pro Lehrling für jeden ausbildenden Betrieb, die aktive Beteiligung bei der Messe ‚Jugend & Beruf‘ wie auch die Aktivitäten bei den Landes- und Bundeslehrlingswettbewerben sind die Erfolgsbausteine.“ Positiv bewertet Pichler auch die Initiative bau fair gegen Pfusch- und Schwarzarbeit, und das Mitwirken bei Gesetzesinitiativen.
„Maurer ist ein Beruf mit guten AufstiegsÂchancen“, so Markus Hofer, Geschäftsführer Landesinnung Bau Oberösterreich, „ein Maurerlehrling verdient im 2. Lehrjahr bereits 1.086,50 Euro. Die Lehrabschlussprüfung ist nur die erste Sprosse der Karriereleiter, die über den Vorarbeiter, Polier und Bauleiter bis zum Baumeister führen kann.“ Der Bauinnung ist es ein großes Anliegen, die benötigten Facharbeiter selbst auszubilden und somit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Ende Mai 2007 bildeten in Oberösterreich 153 Betriebe insgesamt 669 Lehrlinge in den Berufen Maurer, Schalungsbauer und Tiefbauer aus. Für 2008 hat sich Pichler noch stärkeres Lobbying unter anderem auch für praxisgerechte Standesregeln für Baumeister wie auch eine deutliche Einflussnahme auf die Rahmenbedingungen für die Anliegen der Bauwirtschaft vorgenommen wie auch eine Forcierung der Kampagne Bau!Massiv!. Für Bauleiter und Poliere soll es eine Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung geben.

Volksschule Bad Pirawarth. Planung Arch. Horst Klaus Neu, Bauausführung Fa. Lahofer.
Johann Jastrinsky, Landesinnungsmeister Bau Salzburg, relativiert die Jubelrufe über das Jahr 2007: „Wir hatten ein gutes Jahr, wenngleich die statistischen Zahlen die Situation doch erheblich rosiger erscheinen lassen, als sie tatsächlich war: Für die Monate Jänner und Februar 2007 zeigen die Statistiken der Bauproduktion beispielsweise für Salzburg Wachstumsraten von über 50 Prozent. Das ist auf den überaus milden Winter zurückzuführen, der entgegen den Jahren zuvor eine volle Bautätigkeit zugelassen hat. Im Sommer hat sich diese Steigerung daher bei weitem nicht fortgesetzt. Es hat also insgesamt nicht eine überdurchschnittliche Steigerung in der Bauproduktion geben, sondern lediglich eine Vorverlagerung auf die sonst wenig produktiven Wintermonate.“
Im Schnitt kann Salzburgs Baugewerbe aber sehr zufrieden mit 2007 sein. „Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vorjahr um fast 21,5 Prozent zurückgegangen, womit wir in Salzburg klar über dem österreichischen Durchschnitt von 15 Prozent liegen. Stolz sind wir auf unsere Lehrlingsoffensive, die uns gegenüber 2006 wieder eine Steigerung bei den Lehrlingszahlen von knapp 12 Prozent auf nunmehr 320 Lehrlinge gebracht hat. 2008 werden wir uns mit unserem neuen, engagierten Team an der Innungsspitze den Herausforderungen stellen und uns insbesondere der Themen Qualifikation, Marketing und Dienstleistungen annehmen.“
Kombination an Maßnahmen
Im Finanzausgleich einigten sich Bund und Länder auf die Verlängerung der Wohnbauförderung bis zum Jahr 2013. Darüber hinaus wurde vereinbart, ab 2009 das jährliche Fördervolumen an die zugeordneten Abgaben-Ertragsanteile zu binden und damit zu dynamisieren. Othmar Kronthaler, Vorsitzender der Arge Bau!Massiv!, freut sich über das eindeutige Ja zur Wohnbauförderung, fordert aber mehr Geld: „Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen. Bis zum Jahr 2050 prognostiziert die Statistik Austria einen Anstieg der österreichischen Wohnbevölkerung auf rund 9,5 Millionen Menschen. Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln sind die Wohnbauaufgaben, die auf uns zukommen, nicht zu bewältigen. Man muss rechtzeitig – sprich jetzt – auf die Bevölkerungsentwicklung reagieren.“ Allein die notwendige Steigerung der Wohnbaurate von derzeit rund 40.000 auf geschätzte 55.000 Wohneinheiten pro Jahr wird laut Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer der Bundesinnung Bau, die gesamten Finanzmittel aus der Wohnbauförderung verschlingen. Nicht berücksichtigt ist dabei aber die im RegierungsÂübereinkommen festgeschriebene Förderung der thermischen Sanierung.
Die zusätzlich notwendigen Finanzmittel beziffert Katzenschlager mit rund einer Milliarde Euro. „Es wird eine Kombination von Maßnahmen notwendig sein, um sowohl die künftige Wohnraumversorgung als auch eine Forcierung des Niedrig- und Passivhausstandards sicherzustellen. Beispielsweise über steuerliche Anreizmodelle spätestens mit der Steuerreform 2010 sowie einer massiven Aufstockung der Mittel“, erklärt Katzenschlager. Diese zusätzlichen Mittel könnten zum Beispiel auch aus dem Klimafonds kommen. „Es wäre wesentlich sinnvoller, das Geld in die Sanierung zu stecken, anstatt im Ausland CO2-Zeritfikate zu kaufen“, so Katzenschlager weiter. Thomas Malloth, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, setzt neben steuerlichen Anreizmodellen auf eine breite Aufklärung: „Schon jetzt hat das 2008 in Kraft tretende Energieausweis-Vorlagegesetz dramatische Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Bis zu 60 Prozent Wertverlust muss man für Gebäude mit schlechter Energieperformance in Kauf nehmen. Seit den 1990er-Jahren hat sich das Modell der Wohnbauförderung nicht wesentlich geändert. Es ist höchst an der Zeit, die Fördermodelle den heutigen Gegebenheiten und Baustandards anzupassen. Eine Aufstockung der Mittel wird dabei unumgänglich sein.“
Gute Auftragslage, schlechte Preise
Johann Gersthofer, Bundesinnungsmeister Bauhilfsgewerbe, bestätigt eine durchgehend gute Auftragslage für 2007: „Die relativ günstige Entwicklung der Nachfrage hat aber bislang kaum positive Auswirkungen auf das Preisniveau gebracht. Über 70 Prozent der Unternehmer leiden unter dem harten Preiswettbewerb. Nicht gesetzeskonforme Beschäftigung und Preisdumping sind nach wie vor eine gewaltige Belastung für unsere Branche. Man wird sehen, ob die von den Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern beschlossene Generalunternehmerhaftung bzw. die ab 1.Â1.Â2008 vorgesehene Anmeldung vor Arbeitsbeginn hier die notwendigen Korrekturen erreichen. Für 2008 wünsche ich uns faire Preise, um eine gute Leistung zu erzielen.“
Wolfgang Hesoun, Präsident der Vibö, „Die heimische Baukonjunktur befindet sich nach wie vor im Aufwind.“ Auch die jüngsten Prognosen des Wifo prognostizieren dem Baugewerbe für 2008 dass die Nachfragzuwächse des Vorjahres nochmals übertroffen werden. Träger der Baukonjunktur bleibt voraussichtlich weiterhin der Tiefbau. Trotz der positiv prognostizierten Nachfragzuwächse verweist Hesoun darauf, dass die Zuwachsragen, ausgehend vom aktuellen Niveau, um einiges moderater ausfallen werden. Zu den mittelfristigen Trends am europäischen Bau-Arbeitsmarkt erklärt die Vibö: „Im gesamteuropäischen Vergleich entwickelt sich die österreichische Baunachfrage in etwa zwischen den moderaten Steigerungen in Westeuropa und den beachtlichen Zuwächsen in den mittel- und osteuropäischen Ländern.“ In diesem Zusammenhang weist Hesoun auch darauf hin, dass es daher kontraproduktiv wäre, den heimischen Bau-Arbeitsmarkt weiter künstlich für EU-Facharbeiter abzuschotten. „Die befürchteten Massenzuwanderungen werden nicht stattfinden und Lohndumping ist wegen der geltenden EU-Bestimmungen (Entsenderichtlinie und Dienstleistungsrichtlinie), insbesondere infolge der daraus resultierenden Geltung der österreichischen Kollektivvertragslöhne für alle Baustellen in Österreich, auszuschließen.“ Die Vibö verspricht sich von der Durchlässigkeit der Arbeitsmärkte mehr Flexibilität des Mitarbeitereinsatzes und zumindest eine punktuelle Linderung des heimischen Facharbeitermangels und plädiert dafür die bestehenden Arbeitsmarkt-Restriktionen gegenüber den neuen EU-Mitgliedern aufzuheben.
Tom Cervinka, Diana Danbauer, Gisela Gary
aus: bau.zeitung 49-50/07

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