22.01.2009
Kraft schöpfen – Chance nützen
Seit der Halbjahresprognose des Internationalen Währungsfonds, IWF, hat sich die Lage so verschlechtert, dass die Organisation ihre Erwartungen für die Wirtschaftsnationen 2009 nach unten korrigieren musste: auf minus 0,3 Prozent statt eines Wachstums von 0,5 Prozent. Insgesamt sagte der IWF nun ein Wachstum der Weltwirtschaft im nächsten Jahr von 2,2 Prozent voraus, gegenüber drei Prozent im Oktober. Die Weltbank prognostizierte vergangene Woche einen Rückgang des Wachstums weltweit von 2,8 Prozent in diesem Jahr auf 0,9 Prozent. Mit dem Rohstoffboom der vergangenen fünf Jahre, der die Preise um 130 Prozent hochgetrieben hat, ist es vorbei. Der Ölpreis, im Juli noch auf Spitzenwerten um 147 Dollar (108,8 Euro) je Barrel (159 Liter), dürfte 2009 durchschnittlich 75 Dollar betragen.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, geht für ihre 30 Mitgliedsländer von einem Rückgang 2009 um 0,3 Prozent aus.
Bezüglich eingereichte Bauvorhaben erweist sich 2008 für Österreich als Rekordjahr. Bau Data erhob mehr als 15.500 Bauprojekte, wobei Wohnhausanlagen dominieren. „Das Ansuchen um Baubewilligung für ein geplantes Objekt ist ein gesetzlich vorgeschriebener formaler Akt und sagt noch nichts darüber aus, wann das Projekt tatsächlich umgesetzt wird, dennoch ist die steigende Anzahl im heurigen Jahr bemerkenswert“, erklärt Bernhard Bogensperger-Sommerauer, Geschäftsführer von Bau Data. „Die Rekordwerte des heurigen Jahres zeigen sich sowohl im privaten – mit über 7.300 Anträgen – als auch im gewerblichen und öffentlichen Sektor mit mehr als 8.200.“ Laut den Statistiken der Bundesländer wurden in Niederösterreich die meisten Projekte eingereicht – die wenigsten im Burgenland.
Kraftprotz Bau
Bogensperger-Sommerauer betont: „Insgesamt werden weniger Häuser neu errichtet als bestehende Immobilien um- oder ausgebaut. Das Verhältnis zwischen Bestandsrenovierung und Neubau beträgt mittlerweile 60:40.“
Trotz positiver Impulse wie auch durchwegs guter Auftragslage kommen bei gravierenden Marktveränderungen vor allem kleine Unternehmen aus der Bauwirtschaft rasch unter Druck. Die Wirtschaftskammer will Betrieben aus dem Gewerbe und dem Dienstleistungsbereich eine unbürokratische Soforthilfe ermöglichen.
Christoph Leitl, Wirtschaftskammer Österreich, fordert ein Modell zur Kurzarbeit für Klein- und Mittelunternehmen. Das sogenannte „Sicherungsgeld“ soll maximal bis zur Höhe des entsprechenden Arbeitslosengeldes ausbezahlt werden. Leitl warnt vor der Gefahr, dass Unternehmen in Krisenzeiten aus kaufmännischer Vorsicht, z.ÂB. wegen rückläufiger Aufträge oder aufgrund eines kurzfristigen Entfalls von Kunden oder Zahlungen, Arbeitnehmer kündigen. „In einer schwierigen Lage muss den betroffenen Betrieben mit entsprechenden Arbeitsförderungen ermöglicht werden, ohne substanzielle Verluste und ohne Beschäftigtenabbau die Krise durchzutauchen und ihre Mitarbeiter zu behalten.“ Die Wirtschaftskammer schlägt daher ein „Sicherungsgeld für Betriebe in Not“ und eine neue Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen vor, damit auch Klein- und Mittelbetriebe flexibel auf die Krise reagieren können, ohne Mitarbeiter freizusetzen.
Zeit für Bildung
Qualifizierte Mitarbeiter sind laut Personalberaters Hill International derzeit in Mittel- und Osteuropa (CEE) aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise nach Jahren eines zunehmenden Mangels wieder vermehrt zu finden. Einen Grund für die Zunahme sieht Hill International darin, dass durch den Personalabbau in Westeuropa vermehrt gutausgebildete Fachkräfte in ihre Heimatländer zurückkehren. Sie verfügen über im Ausland erworbene Fremdsprachenkenntnisse und Berufspraxis. Aber auch auf den CEE-Märkten vor Ort strömen Fachkräfte mit einer notwendigen Berufserfahrung wegen der schlechteren Wirtschaftslage und dem Jobabbau auf den Arbeitsmarkt. So sind in Polen etwa die Produktionssektoren in der glas-, chemie- und metallverarbeitenden Industrie betroffen. Aber auch in der Bauwirtschaft sowie in der Immobilien- und Bankenbranche werde eine ähnliche Entwicklung beobachtet.
Fit für den Wettbewerb und gegen einen kälteren Gegenwind hat sich das Familienunternehmen Liebherr gewappnet. Vor wenigen Tagen übernahm Liebherr das Unternehmen IGB, Ing. Günter Berger, aus Perg. Es ist der erste Firmenkauf des Liebherr-Werks Bischofshofen – alle Mitarbeiter von IGB wurden übernommen. Mit dieser Übernahme will Liebherr zukünftig seinen Kran-Komplettservice in Österreich verstärken. Die Mietflotte besteht aus Liebherr-Oben- und Untendreherkranen. Ab sofort steht den Kunden zusätzlich zum flächendeckenden Liebherr-Servicenetz mit sieben Kundendienstniederlassungen und drei Baumaschinen-Herstellerwerken der Liebherr-Kranlogistikcenter Perg als zusätzlicher Standort zur Verfügung.
Gut gerüstet
Die Stein- und keramische Industrie sieht in dem EU-Klimaschutzpaket eine massive Belastung für heimische KMU in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. „Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen sind keine ‚Entweder – Oder‘, sondern eine ‚Sowohl-als-auch‘-Konstante. Niemandem ist hier geholfen, wenn unserer – überwiegend durch KMU geprägte – Baustoffindustrie die Schrauben so eng angezogen werden, dass die Unternehmen gezwungen sind, in andere Länder abzuwandern“, wettert Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie.
Der Appell der Stein- und keramischen Industrie richtet sich an die Spitze der Bundesregierung, sich für die österreichischen Klein- und Mittelbetriebe einzusetzen. „Die Klimaschutzziele wurden bei wirtschaftlichem Sonnenschein gesetzt, jetzt haben wir aber Dauerregen und ein Unwetter droht“, erklärt Hennrich in Hinblick für die kommenden Jahre.
Gisela Gary

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