18.02.2009
Lehre am Bau - Kompetent, selbstbewusst und wissbegierig
Rund 50.000 junge Menschen suchen jährlich nach einem Lehrberuf. Gleichzeitig fehlen der österreichischen Bauwirtschaft pro Jahr rund 800 Lehrlinge. Jetzt ist die beste Zeit, um sich mit dem Halbjahreszeugnis zu bewerben. Vor allem Schüler des Polytechnikums bzw. der vierten Hauptschulklassen werden in der Bauwirtschaft mit offenen Armen empfangen.
Die drei Lehrberufe am Bau – Maurer, Schalungsbauer und Tiefbauer – sind laut aktuellen Untersuchungen stark im Aufwind. Die Lehrlingsstatistik des Baugewerbes und der Bauindustrie zeigt im Jahr 2008 im Vergleich zum Jahr davor ein Plus von 1,5 Prozent auf.
Um die kontinuierliche Weiterbildung der Lehrlinge und ausgebildeten Fachkräfte zu gewährleisten, hat die österreichische Bauwirtschaft die bundesweit vertretenen BauAkademien ins Leben gerufen. Harald Kopececk, Leiter BauAkademie Österreich und BauAkademie BWZ Oberösterreich, bestätigt einen positiven Trend: „Derzeit konnte nicht nur die Anzahl der Lehrlinge erhöht werden, sondern auch die Qualität der Lehrlinge. Das zeigen die Aufzeichnungen und Bewertungen der zwischenbetrieblichen Ausbildung. Nun wird es sich weisen, ob wir betreffend die Imagearbeit unserer Maurer, Schalungsbauer und Tiefbauer – entgegen der demografischen Entwicklung – unseren Stand halten können.“ Kopececk ist aber davon überzeugt, dass es viel Anstrengung bedarf, um die Jungen für das Gewerbe zu mobilisieren: „Auch wird es schwierig sein, das Leistungspotenzial der künftigen Lehrlinge auf dem derzeitigem Niveau halten zu können. Hier werden die zusätzlichen Aus- und Weiterbildungen der BauAkademien in Zukunft noch umso wichtiger.“ Mit dem österreichweit einheitlichen und durchgehenden Ausbildungssystem vom Lehrling bis zum Baumeister hat die Bauwirtschaft ein einzigartiges und umfassendes Bildungsprogramm. „Baufachkräfte sind auch trotz des schwierigeren wirtschaftlichen Umfeldes sehr begehrt. Wer jetzt einsteigt, braucht sich um seine Zukunft keine Sorgen machen“, erklärt Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister Bau.
Hohes Lohnniveau
„Die Arbeit am Bau ist zwar anstrengend, wird aber auch überdurchschnittlich gut entlohnt“, so Frömmel. Maurer, Schalungsbauer und Tiefbauer zählen zu den bestbezahlten Lehrberufen. Bereits im ersten Lehrjahr verdient man 750,89 Euro pro Monat, im 2. Lehrjahr steigert sich der Verdienst auf 1.127,18 Euro, im 3. Jahr bekommt ein Baulehrling 1.501,77 Euro – Beträge, von denen manch andere Branchen nur träumen können.
Wer sich für eine Karriere am Bau entscheidet, hat die Wahl zwischen drei Lehrberufen:
Maurer: Maurer errichten Bauwerke und Bauwerksteile wie Wohn- und Bürogebäude, Straßen, Brücken- und Tunnelanlagen oder Kanal- und Entwässerungsanlagen. Sie richten Baustellen ein, fordern Maschinen und Baumaterial an oder stellen es selbst her. Maurer arbeiten in Betrieben des Baugewerbes im Bereich Hoch-, Tief- oder Wasserbau.
Schalungsbauer: Schalungsbauer errichten Bauwerksteile aus Beton und Stahlbeton und montieren Betonfertigteile wie Wand- und Deckenelemente, Fassadenplatten und Steinstufen.
Tiefbauer: Der Tiefbau umfasst verschiedenste Bauvorhaben wie den Straßenbau, den Brücken- und Kanalbau oder den Bau von Eisenbahnstrecken. Tiefbauer vermessen das Gelände und die Bauteile, richten die Baustellen ein, heben Gruben aus und errichten Verbauten und Stützungen.
Interessierte Jugendliche sollten eine Reihe körperlicher und sozialer Kompetenzen mitbringen. „Aktive junge Leute, die anpacken und etwas schaffen wollen, sind in der Baubranche richtig“, so Frömmel. Zu den körperlichen Anforderungen zählen neben Kraft und Genauigkeit auch ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, eine gute körperliche Konstitution, einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn, Freude am Arbeiten im Freien, handwerkliche Geschicklichkeit, technisches Verständnis, Koordinationsfähigkeit, Schwindelfreiheit und Sicherheitsgefühl. Da die Arbeit am Bau zum Teil hohe Sicherheitsanforderungen mit sich bringt, sind auch soziale Kompetenzen wie Zuverlässigkeit, Sorgfältigkeit, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein von zentraler Bedeutung.
Viele Baumeister haben selbst einmal als Lehrling begonnen. Die Aufstiegschancen in der Baubranche gelten als sehr gut und können über die zahlreichen Weiterbildungsangebote der BauAkademien individuell gestaltet werden. Bei entsprechendem Einsatz kann sich ein Lehrling nach Abschluss der Facharbeiterausbildung zum Vorarbeiter, Polier, Bauleiter oder Baumeister emporarbeiten. „Selbst ein Studium auf einer Fachhochschule oder Universität ist nach Ablegen der Studienberechtigungsprüfung möglich“, erklärt Frömmel. Auch mit 18 Jahren ist es noch nicht zu spät, eine Lehre im Bauwesen zu beginnen. In diesem Fall erhält man schon im 1. Lehrjahr 1.447,53 Euro monatlich.
Gisela Gary

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