26.02.2009
Neuer Glanz in Linz
Nach dem Spatenstich im März 2007 und nach 21 Monaten Bauzeit konnten die Bauarbeiten zum neuen Ars Electronica Center in Linz im Dezember 2008 abgeschlossen werden. Anfang Jänner 2009 fand schließlich die Eröffnung des 6.500 Quadratmeter erweiterten Gebäudes statt. Vor allem die künstlerische Bespielung der mehr als 5.000 Quadratmeter großen LED-Fassade ist eine Besonderheit. Insgesamt bietet das Ars Electronica Center 3.000 Quadratmeter für Ausstellungen, 400 Quadratmeter für Seminare und Konferenzen, 650 Quadratmeter Gastronomie und Veranstaltungsmöglichkeiten und weitere 1.000 Quadratmeter Raum für Labors und Werkstätten. Zudem stehen 1.000 Quadratmeter Vorplatz für Open-Air-Events mit Donau- und Innenstadtblick zur Verfügung. Die Erweiterung bietet fast mehr als 4.000 Quadratmeter mehr als vor dem Umbau. Die Kosten des vom Wiener Büro Treusch architecture entworfenen Museums belaufen sich auf rund 30 Millionen Euro.
Kernstück Platzgestaltung
Das mehrgeschoßige Haupt- und Versorgungsgebäude grenzt an das bestehende AEC an. Der neue Baukörper bildet mit dem bestehenden Ars Electronica Center eine Einheit. Durch die Ausbildung eines Glaskubus mittels doppelschaliger Fassade soll der Eindruck der Homogenität vermittelt werden. Unter dem Platz erstrecken sich Ausstellungsflächen, welche mittels Schiebewänden flexibel in kleinere bzw. größere Ausstellungsbereiche unterteilt werden können. Das Medienkunstlabor beinhaltet im Untergeschoß Labors und Werkstätten. Darüber befinden sich Büros und Aufenthaltsräume. Das Upperdeck stellt zusätzliche Freiflächen für Ausstellungen, Veranstaltungen und Ähnliches zur Verfügung. Der großzügige Veranstaltungsplatz als Kernstück der Anlage befindet sich an der östlichen Seite des Gebäudes und stellt Freiluftausstellungsflächen bereit. Als Kulisse dienen einerseits die umgebende Donaulandschaft und die historische Bausubstanz, andererseits das neue Gebäude selbst. Sitzstufen des Futurelabs bieten Sitzmöglichkeiten für Freilufttheater- und Kinoveranstaltungen. Auch eine Überdachung der Sitzstufen ist möglich.
Direkt unter dem Vorplatz befindet sich die 1.000 Quadratmeter große Main Gallery, die das Herzstück des Ars Electronica Centers darstellt. Dieser Raum soll Künstlern, Wissenschaftern, Schülern und Studierenden, Eltern und Kindern die Möglichkeit bieten zu experimentieren, arbeiten und spielen. Das Bodenniveau dieser Ausstellungshalle befindet sich 1,5 Meter unter dem Grundwasserspiegel. Dementsprechend herausfordernd haben sich die Bauarbeiten dieses Teiles gestaltet, wie Siegfried Kapeller von der Firma Strabag berichtet: „Der Unterwasseraushub war selbstverständlich eine ganz besondere Herausforderung. Diese Arbeiten haben auch sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Umso schwieriger war es, die Bauzeit genau einzuhalten.“ Kapeller weiter: „Wir mussten ca. vier Meter unter dem Grundwasser arbeiten.“
Die richtige Planung war hier ein ganz zentraler Faktor. Zudem war es ein sehr aufwändiges Unterfangen. „Zwei Monate lang waren sechs Taucher auf der Baustelle, die den zusätzlichen Aushub ‚Schlamm’» durchgeführt haben. Ansonsten wäre der Baugrund nicht dicht gewesen“, erklärt Kapeller. Insgesamt wurden 3.500 Kubikmeter Unterwasserbeton verarbeitet. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrung der zahlreichen Mitarbeiter konnte der Terminplan eingehalten werden, wie der Polier weiß: „Es hat alles gut funktioniert, sowohl von der Arbeit als auch vom Ablauf her. Grund dafür sind nicht zuletzt die Leute auf der Baustelle, die allesamt erfahrene Mitarbeiter sind.“
Die 5.100 Quadratmeter große gläserne Hülle des Ars Electronica Centers wird durch eine spezielle Lichttechnik auf höchstem technischem Niveau erhellt. Die Effektbeleuchtung mit 40.000 Leuchtdioden (LED) wird wesentlich weniger Strom als die ursprünglich vorgesehene Hinterleuchtung der Fassade mit Leuchtstofflampen verbrauchen und eine höhere Lebensdauer haben. Sie ist die größte LED-Fassadenbeleuchtung Europas. Ihr Leistungsbedarf beträgt im nächtlichen Normalbetrieb nur drei bis fünf Kilowatt. Durch diesen Lichteffekt soll das gesamte Gebäude in ein Kunstwerk verwandelt werden.
Außergewöhnliche Lichttechnik
Durch die Projektion auf die bespielbare Hülle entsteht abends eine transparente Lichtskulptur mit hohem Erkennungsmerkmal. Des Weiteren kann die Fassade mit LED- und LCD-Schirmen bestückt werden, wodurch eine zusätzliche Informations- und Signalwirkung erzeugt wird. Im Gegensatz zu Leuchtstofflampen steht die volle Lichtleistung auch bei sehr tiefen Temperaturen zur Verfügung. Durch die niedrigeren Energiekosten und den geringeren Wartungsaufwand ist mit einer jährlichen Betriebskostenersparnis von rund 38.000 Euro zu rechnen.
Die an jeweils einer Seite der 1.100 Fassadenglasscheiben eingebauten Leuchtdiodenleisten sind 20 bis 120 Zentimeter lang. Sie haben einen Querschnitt von 30 mal 45 Millimeter und sind mit 20 bis 48 Hochleistungs-Leuchtdioden bestückt. Je ein Viertel der 40.000 Dioden strahlt in den Farben Rot, Grün, Blau und Weiß. Die auf Leiterplatten gelöteten Leuchtdioden sind lediglich 2,4 mal 4,5 Millimeter groß und zwei Millimeter hoch. Auf die Leuchtdioden ist eine 22 mal 22 Millimeter messende Spezialoptik aufgesetzt, die das Licht auf die Glasscheiben wirft. Jede der 1.100 Leuchtdiodenleisten ist über eine Elektronikeinheit einzeln ansteuerbar. Dabei können Helligkeit und Farbmischung individuell gesteuert werden. Der Leitrechner des Systems hat eine Reihe von Standardmustern für das nächtliche Erscheinungsbild des Museums der Zukunft gespeichert. Für künstlerische Aktionen können via Computer neue Ansichten erzeugt werden. Eine Besonderheit der in Linz eingesetzten Technik ist die Möglichkeit, ein reines Weiß darzustellen. Das AEC verwandelt sich damit auf Knopfdruck in einen „weißen Kristall“. „Das neue Ars Electronica Center auf sein optisches Erscheinungsbild zu reduzieren wäre dennoch kurz gegriffen. Die Erweiterung des Museums der Zukunft schafft zusätzlichen Raum für die künstlerische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit neuen Technologien und Entwicklungen. Davon wird nicht allein Ars Electronica, sondern die Linzer Kunst- und Kulturszene insgesamt profitieren“, so Gerfried Stocker, Künstlerischer Leiter des AEC.
Diana Danbauer

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