19.03.2009
Wirtschaftskrise birgt Chancen
Dem hiesigen Markt stellt das „Stimmungsbarometer“ eine optimistische Prognose: Auch wenn Wien im Städte-Ranking der zu erwartenden Investitionen nur Platz 17 von 27 – vor Mailand und hinter Prag (Top: München, Hamburg, Istambul) – einnimmt, wird das generelle Risiko mit Platz neun von 27 – vor Berlin und hinter Brüssel (Top: München, Zürich, Hamburg) – als recht niedrig eingestuft. „Österreich und auch Deutschland sind eher konservative Märkte und damit stabiler. Die Investitionen werden wieder kommen, denn man bevorzugt derzeit sichere Häfen“, stellt Helmut Trappmann, Finanzexperte und Leiter der Real Estate PricewaterhouseCoopers fest.
In den kommenden Jahren wird sich die Immobilienbranche auf ihre Kernbereiche konzentrieren. Gesucht sind hochqualitative Anlageoptionen, langfristige Investitionen und stabile Märkte. „Gute Projekte wird man zwar weiter finanziert bekommen, momentan werden aber bis zu 60 Prozent Eigenkapital und Sicherheiten verlangt“, sichtet Trappmann auch eine fehlende Liquidität am Markt.
Finanzierungen nur bei Sicherheiten
Peter Engert, Sprecher der Geschäftsführung der Raiffeisen-Leasing, meint hingegen: „Egal wer, er bekommt seine RisikoÂfinanzierung.“ Allerdings: „Es kommt momentan nur keiner. Wenn das anhält, bedeutet das eine Gefahr für Österreich.“ Eigenmittel, Sicherheiten und Bonität sind weiterhin dringende Anforderungen. Und, so Engert: „Geld kostet seinen Preis.“
Verstärkt will sich die RL im Jahr 2009 jedenfalls dem österreichischen Markt widmen. Bereits bei Einsetzen der Wirtschaftskrise wurde der Fokus auf das Inland gerichtet. Mit Erfolg: 2008 konnte durch Neugeschäfte inklusive Cross-Border-Finanzierungen mit 1,09 Milliarden Euro ein Plus von sieben Prozent erzielt werden. Die ausgegebene Devise für 2009: enger Kontakt zum Kunden und helfen, noch bevor tatsächlich Probleme entstehen.
Chancen sichtet Engert im Bereich der Ökoenergie. In den vergangenen Jahren hat man sich diesem Thema verstärkt zugewandt, heute zählt Raiffeisen-Leasing zu den größten Investoren in Österreich. Bis Ende 2008 wurden in diesem Bereich – von der Windkraft über Biotreibstoff-, Biomasse- und Fotovoltaikanlagen – rund 510 Millionen Euro erwirtschaftet.
Auch Trappmann von der PricewaterhouseCoopers bleibt optimistisch: „Selbst wenn die Krise neun bis zwölf Monate andauert, es wird auch wieder aufwärts gehen. Das ist wie bei einer Wahlperiode. Nach vier Jahren haben viele Leute wieder alles vergessen.“ Und dann werde auch die Normalität wieder einkehren.
Helmut Melzer
aus: bauzeitung 11/09, S. 13

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