15.01.2010
Pfusch gefährdet Baubranche
Durch die Wirtschaftskrise ist aktuell ein Anstieg der Schwarzarbeit zu erkennen. In Wien entfällt rund ein Viertel davon allein auf das Bau- und Baunebengewerbe. Laut einer aktuellen Untersuchung der KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien werden in der Bundeshauptstadt 1,7 Milliarden Euro abseits von Steuern und Sozialabgaben erwirtschaftet. Der öffentlichen Hand entgeht damit jährlich mehr als eine Milliarde Euro an Einnahmen. Um diesem Trend zu entgegnen, will Finanzstaatssekrektär Reinhold Lopatka die Maßnahmen gegen Steuer- und Sozialversicherungsbetrug weiter ausbauen. „In Krisenzeiten sinkt die Schwelle, was wiederrechtliches Handeln betrifft“, so Lopatka. Vor allem die Kontrolle durch die Kiab soll ausgeweitet werden. Bis Ende November 2009 wurden 25.800 Unternehmen und insgesamt 63.000 Arbeitnehmer kontrolliert. Dabei wurden mehr als 10.000 Strafanträge wegen Schwarzarbeit gestellt. 2010 sollen die Kontrollen noch ausgeweitet werden.
Enormer Schaden
Durch die Schwarzarbeit entgeht nicht nur der öffentlichen Hand eine Menge Geld. Zahlreiche andere Einzahler werden durch die Schattenwirtschaft ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. „Die Pfuscher, die nicht angemeldet tätig sind und weder Steuer noch Sozialabgaben abführen, schädigen nicht nur die öffentliche Hand, sondern vor allem auch die Unternehmer, die bei den Billigangeboten nicht mithalten können und Aufträge verlieren“, so Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. Jank fordert daher nicht nur strengere Kontrollen, sondern zusätzlich steuerliche Absetzbeträge für Handwerkerleistungen in Form eines „Handwerker-Bonus“. „Die Bekämpfung der Schwarzarbeit bedeutet mehr Gerechtigkeit, mehr Chancengleichheit und mehr Schutz für die Unternehmer“, ist Jank überzeugt.
Initiative gegen Schwarzarbeit
Auch Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister Bau, warnt vor den Auswirkungen der Schattenwirtschaft für den Bausektor. In den vergangenen Jahren gab es bereits erfolgreiche Bemühungen, die Schwarzarbeit am Bau einzudämmen. Nicht zuletzt durch die Kampagne BauFair! konnte der Schwarzarbeit effektiv entgegengewirkt werden. Nichtsdestotrotz will Frömmel weitere Anreize seitens der Politik: „Wir fordern weiterhin eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes, die in anderen EU-Ländern nachweislich zur Belebung der Baukonjunktur geführt hat, und begrüßen die Forderung von Präsident Leitl nach Einführung eines Bauhandwerkerbonus nach deutschem Muster. Ebenso sind wir überzeugt, dass eine Senkung der Lohnnebenkosten wesentlich zu einer vor allem für untere Einkommensschichten attraktiven Preisbildung betragen würde“, so Frömmel.
( Diana Danbauer, Die Bauzeitung)

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